Hallo, hier ist die rosarote Brille

„Da sieht mal wieder jemand was durch die rosarote Brille!“, diesen Einwand bekomme ich öfter, wenn ich mich zum Beispiel positiv über Ägypten als Urlaubsland äußere. Man will mir damit sagen: „Hey, schau mal genau hin, da sind eine Menge Dinge, die nicht so gut sind, vergisst du die?“

Nein, ich vergesse sie nicht, aber ich gewichte sie anders. Das ist meine Lebenseinstellung und ich nenne sie „optimistisch“, mir geht es dabei sehr gut. Jeder hat eine rosarote Brille, es kommt nur darauf an, wie oft er sie benutzt.

Natürlich gefällt es mir nicht, dass die blauen Mülltüten meinen Weg nach Hause zieren, aber der Blick in die Berge mit den Farben bei Sonnenuntergang ist unschlagbar.

Sonnenuntergang

Was soll ich machen, wenn auf meinem geparkten Auto Bananenschalen liegen, die aus dem Fenster darüber entsorgt wurden? Ich nutze in Zukunft halt die Bauruine neben an als Carport. Nein, ich verstehe nicht, warum es tausende von Bauruinen gibt, und es immer mehr werden. Doch ich bewundere den Optimismus der Ägypter die weiterbauen, als ob die ganze Welt hier her kommen möchte.

Wie sieht es bei dir aus? Stehst du morgens auf und freust dich, einen lieben Mensch bei dir zu haben, einen guten Kaffee trinken zu können oder etwas Schönes an diesem Tag zu machen?

IMG_0185

Oder ärgerst du dich über das Geschirr vom Vorabend, was nicht weggeräumt ist, das Toilettenpapier, was zum falschen Zeitpunkt zu Ende ist oder über den bevorstehenden Stau auf dem Weg zur Arbeit?

Das ist nur ein kleines Beispiel für Sichtweisen. Doch ich denke, das zieht sich wie ein roter Faden durch die persönliche Einstellung. Und Menschen, die sich darüber aufregen, dass man eine Urlaubsdestination natürlich mit positiven Eindrücken bewirbt, gehören vielleicht auch zu denjenigen, die am Urlaubsort mit der Kamera nicht lustige, schöne Eindrücke festhalten, sondern den ganzen Tag Sherlock Holmes spielen, um Indizien zu sammeln, damit man dann vom Urlaubspreis auch noch was zurückbekommt.

Jetzt stellt man sich natürlich die Gretchenfrage: „Geht es mir so gut, weil ich optimistisch bin oder bin ich optimistisch, weil es mir gut geht?“

Jeder von uns hat sein Packet zu tragen. Es gibt niemanden, dem alles geschenkt wird oder der keine Sorgen hat. Es kommt auch wieder darauf an, wie man es gewichtet. Ich kenne so viele Geschichten des Lebens, von Menschen, die man auf den ersten Blick beneidet. Und das ist auch ein Gefühl, welches man mit rosaroter Brille nicht bekommt: Neid!

Wenn ich meine eigene Lebenslage optimistisch sehen kann, dann muss ich nicht auf andere Menschen neidisch sein.

Wie oft wurde mir bei Einstellungsgesprächen von Bewerbern gesagt: „Ja Sie haben es ja gut! Sie sind ihr eigener Chef!“

Das erinnerte mich immer an meine kleinen Kinder, die meinten, wenn sie erwachsen sind, können sie tun und lassen, was sie wollen. Ja glauben die denn wirklich, als Chef hat man keine Pflichten???

Der Neid kann sogar so weit gehen, dass man nach dem Motto lebt: „Wenn ich meine Situation nicht verbessern kann, dann soll es dem anderen schlechter gehen!“ Da wird gemobbt und intrigiert.

Deshalb: Wenn die rosarote Brille hilft, zufriedener zu sein, dann schenke ich hiermit jedem eine – viel Spaß beim Testen und teilen!

Wo stehst du?

Der Albtraum – Zahnschmerzen im Urlaub

„Was um Himmelswillen soll ich tun, wenn ich in Ägypten Zahnweh bekomme?“

In meinem Kopf entwickeln sich Bilder von museumsreifen Instrumenten bis hin zur Beißzange, mit der ohne Betäubung ein Backenzahn gerissen wird. Da lässt der Schmerz doch schnell nach!

Gibt es gute Zahnärzte in Hurghada? Diese Frage haben auch wir uns immer wieder gestellt und verdrängt, bis die Situation eingetroffen ist. Ein Stück Zahn ist abgebrochen und man kann nicht bis zum nächsten Deutschlandaufenthalt warten. Also vertrauen wir den Empfehlungen und suchen Dr. Nayer auf.

 

Die Praxis ist einfach zu finden: Gleich von der Flughafenstraße rechts zum „Bankenviertel“ abbiegen, dann befindet sich die Praxis in der zweiten Etage zu Beginn der Mohammady Howaydak street.

Das typische Bauchgefühl vor einem Zahnarztbesuch aktiviert meinen Schweinehund, als ich vor dem Ramadacafe stehe und den Eingang zum Haus suche. „Setz dich doch lieber und trinke einen Tee mit einer Shisha!“, höre ich ihn flüstern. Die Versuchung ist groß, doch ein stechender Schmerz erinnert an den Grund und ich gehe rechts am Haus entlang zu der Türe, die zum Treppenhaus führt. Den Aufzug ignoriere ich meistens, da ein Stromausfall immer einzuplanen ist. Mutig trete ich in den Empfangsraum der Praxis und grüße auf Arabisch.

Hinter der hellen Rezeption erwidert die Angestellte Polina  freundlich in Deutsch mit ihrer Kollegin Mary in Englisch. Das lässt die Adrenalinproduktion ein wenig sinken. Das Anliegen in meiner Heimatsprache vorzutragen erleichert die Sache immens. Notfälle werden in der Regel in den Morgenstunden angenommen, doch ich habe Glück, ich darf auch am Nachmittag bleiben.

12784770_1167161193295272_1083158514_n

Das Wartezimmer ist geschmackvoll eingerichtet. Im Gegensatz zu den mir aus Deutschland bekannten Räumen stehen hier Wohnzimmermöbel, keine Stapelstühle. Jetzt wird es ernst, ich werde ins Behandlungszimmer gebracht.

Behandlung

Kein Unterschied zu Deutschland festzustellen. Ein typischer Stuhl mit Spuckbecken, Monitore und die Zahnarztbeleuchtung. Dr. Nayer begrüßt mich in Englisch doch ohne weißen Kittel, sondern im dunklen Outfit.

Er schaut sich mein Malheur an und diagnostiziert eine Krone. Das Schlimmste kommt jetzt – die Betäubungsspritze. Doch wirklich, sogar der Einstich war erträglich.  Und während wir auf die Wirkung warten, verblüfft er mich: Dieser Zahnarzt erklärt mir, dass er mit einem digitalen High-Tec-Verfahren arbeitet und ich auf die Krone warten kann! Der Zahn wird abgeschliffen, dann mit einem Art Stift abgescannt und der Computer berechnet das zukünftige 3  D Model welches dann aus einem Keramikblock gefräst wird. Dieses wird noch angepasst und nach eineinhalb Stunden kann ich die Praxis verlassen. Bei meiner Verabschiedung fehlt auch der mir noch bekannte Spruch: „Bitte in den nächsten zwei Stunden nichts Essen!“ Nein, wir können zur Feier des Tages sofort den jetzt beruhigten Magen füllen. Dieses mal gebe ich meinem Schweinehund auch nach: „Wie wäre es jetzt mit einem Hawoushi??“

Cerec 3 D Kronen

Da die komplette Behandlung inclusive Keramikkrone weniger kostet, als in Deutschland die 300 € Selbstbeteiligung für eine Teilkrone, wäre es eine Überlegung wert, ein geplantes Inlay mit einem Urlaub in Ägypten zu verbinden!

 

Wandschrank_n

Übrigens: ein Kaugummi hat mir meine Krone gezogen, also war ich im März 2017 wieder da! Eine junge Zahnärztin unterstütz Dr. Nayer und hat mir schnell und unkompliziert die Krone wieder eingesetzt.  

Wir leben in Ägypten

Wir fühlen uns sicher in Ägypten, auch wenn wir wissen, dass Fanatiker, Politiker oder wer auch immer dem Land die Luft zum Atmen nehmen will und das geht am Besten, wenn man den Tourismus angreift. Warum? Vielleicht, weil damit mehr Armut herrscht und man hofft, schneller Menschen für die eigene Ideologie zu gewinnen. Es geht wie immer um Macht und Geld und ich verstehe schon lange die Zusammenhänge und Abhängigkeiten von Öl, Drogen, Religion und Politik nicht mehr.
Die einen nennen es Naivität, die anderen in die Tasche lügen, ich nenne es Selbstschutz um in dieser Welt glücklich zu überleben. Meiner Meinung nach ist die Menschheit in einem Umbruch, der nicht mehr aufzuhalten ist und ich habe für mich entschieden, das Beste daraus zu machen. Nämlich in der Sonne leben.
Vor einigen Wochen haben wir tatsächlich einen Gewaltakt in Hurghada erleben müssen. Wie immer ist das World Wide Net Segen und Fluch gleichzeitig. Dass etwas passiert ist, wussten wir schnell, doch wie in einer Flüsterpost gingen die Geschichten durch die sozialen Netzwerke:
Erst war es eine Bombe. Das wunderte uns sehr, da wir in unmittelbarer Umgebung des Hotels zu der fraglichen Zeit waren. Eine Bombe? Die hätten wir hören müssen. Auf der von uns zu sehenden Hauptstraße war normaler Verkehr, so dass uns diese Meldung nicht überzeugte. Nein, im Gegenteil, wir dachten, es sei gar nichts. Dann hieß es ein terroristischer Anschlag. Die Attentäter vermehrten sich in den social Medien wie die Karnickel. Aus zwei mach drei, dann acht zum Schluss sprach man von elf! Genauso wie von Toten. Es waren immer noch keine Sirenen zu hören oder ein Rückstau auf der Straße, darum planten wir, direkt hinzufahren.
Tatsächlich: kurz vor Erreichen des Hotels war eine Umleitung eingerichtet worden. Doch der Polizist war weder an einer Fahrzeugkontrolle interessiert, noch war er mit schusssicherer Weste ausgestattet. Daraus folgerten wir, es kann kein Terroranschlag gewesen sein. Würde sonst nicht Polizei und Armee bereits vor Ort sein und agieren? Doch etwas war passiert.
Inzwischen wurde auch in den Foren darum gebeten, nur von Augenzeugen bestätigten Berichten zu schreiben. Über Mitarbeiter und Angehörige des Hotelinhabers, den wir kennen, versuchten wir Informationen aus erster Hand zu erfahren.
Leider hielten sich die Medien nicht an diese Vorgehensweise. Sogar in den Nachrichten wurden Fehlinformationen publiziert, die bis heute nicht alle korrigiert wurden.
Tatsächlich handelte es sich um zwei Männer, die mit Messer, Bombengürtelattrappe und einer Paintball-Pistole Geld von Gästen im neben gelegenen Restaurant erbeuten wurden. Durch die couragierten Mitarbeiter, die sofort die Gäste beschützten, wurde von den Beiden je ein Gast als Geisel genommen, um wieder fliehen zu können. Doch das Restaurant hatte einen zweiten Ausgang, direkt in die Lobby des Hotels. Das brachte die beiden in noch mehr Bedrängnis, denn dort war neben dem Security auch ein Touristenpolizist. Trauriges Ende: bei der Überwältigung der Täter kam einer zu Tode.
Ich will diesen Vorfall nicht kleinreden oder bagatellisieren. Es ist schlimm, dass Menschen in einem Hotel Angst und Schrecken erleiden mussten. Es ist noch schlimmer, dass es dabei auch Verletzte und einen Toten gab. Doch wir haben hautnah miterlebt, wie aus einer Mücke ein Elefant gemacht wurde. Wie die sensationsgeilen Medien wieder das publizieren, was in das Schema passt. Wie Angst und Unsicherheit geschürt wird was zur Folge hat, dass der Tourismus damit stirbt. Warum gerade Ägypten? Es passieren täglich schlimme Dinge. Würde alles mit gleicher Intensität verfolgt werden, würde keiner mehr in die Türkei, nach Frankreich oder sogar Deutschland fahren, um Urlaub zu machen.
Die Menschen die hier leben, gehen mit der Angst anders um. Und auch wir lassen uns nicht davon abhalten, weiter an den Strand zu gehen, nach Luxor oder Kairo zu fahren oder abends in einer Bar zu sitzen. Wer Lust hat, uns zu begleiten, der kann uns in Ägypten treffen oder hier die Geschichten mit lesen! Ich freue mich auf euer Feedback, am liebsten persönlich!

http://www.fairholiday.com/fairholiday/fun-more/service.html

 

Hallo Welt!

Ich beginne einen Blog, wie gewünscht! Neben persönlichen Erlebnissen werden natürlich auch touristische Höhepunkte vorgestellt! Wer liest mit???

Insidertipps und das Leben kennenlernen