Kategorie-Archiv: Persönliches

Polizei – dein Freund und Helfer

Luxor war wie immer ein Erlebnis und, wie immer, ist die Zeit davon gerannt. Den Checkpoint hinter Luxor müssen wir um 18.00 passiert haben, deshalb verzichtet Andreas sogar auf seine Shisha SO spät sind wir.

Unser Guide fährt mit uns noch bis zum Stadtrand und soll uns noch eine Tankstelle zeigen, da wir bereits auf Reserve fahren und wir Angst haben, dass in Quena die Tankstellen schon geschlossen sind. Die kurze Nacht fordert ihren Tribut und mir fallen bei dem Rhythmus zwischen bremsen, Bumb überqueren und anfahren nach kurzer Zeit die Augen zu. Unsanft weckt mich Andreas mit der Aufforderung: „Rechne mal mit Mohamed ab!“ Aha, die Bezahlung darf ich übernehmen. Wie in Trance öffne ich die Türe und gehe an meine Handtasche im Kofferraum. Nein –  ich muss meinen Geldbeutel nicht suchen. Schnell hat Mohamed alles im Kopf zusammen addiert, präsentiert mir die Summe auf dem Handy, kassiert ab und ich kann es mir endlich auf dem Beifahrersitz bequem machen. Kaum habe ich meine Augen geschlossen, fällt Andreas ein, dass wir nicht getankt haben. Ich blinsle zur Tankuhr und erkenne, dass die Warnleuchte bereits leuchtet. „Toll, und jetzt?“

Zum Zurückfahren reicht die Zeit nicht mehr, denn wir müssen über den Checkpoint. „Es wird ja hoffentlich auf dem Weg nach Qena noch eine Tankstelle kommen?“

„Hoffentlich, bis Qena schaffen wir es nicht mehr!“

Huch, doch eine beruhigende Situation, dass wir nicht in den Bergen stehen bleiben, sondern höchstens auf der Straße zwischen Qena und Luxor, die reichlich befahren ist. Die Gedanken werden unterbrochen, da wir jetzt an der Kontrolle sind. Wie immer, werden wir gefragt, welche Staatsangehörigkeit wir haben und wohin wir wollen. Bevor wir weiter gewunken werden, fragt Andreas nach der nächsten Tankstelle. „Mafish benzyin!“

Der Beamte zeigt uns, immer gerade aus. Doch von hinten kommt ein weiterer angeschossen, winkt einem Jeep  und meint zu uns, wir sollen folgen und setzt sich selber in das Auto. Irritiert fahren wir dem Wagen nach.

„Was soll das jetzt?“ Andreas schaut mich fragend an.

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„Ich weiß nicht!“ Jetzt bin ich hellwach, denn einer der jungen Männer im Heck des Jeeps, die mit Gewehr und Helm Rücken an Rücken sitzen, schaut immer scheu in unser Auto und erwidert dann mein breites Grinsen. „Mein Gott ist der süß!“

„Na, das wird er von dir nicht denken!“

Der andere schaut stur geradeaus. Auf einmal macht der hübsche ein OK Zeichen mit dem Daumen und Zeigefinger. Ich antworte mit Daumen hoch. Andreas schaut mich entsetzt an: „Der meint nicht dich, sondern den Mann da draußen!“

Ich folge mit den Augen dem Finger von ihm und tatsächlich steht da ein älterer Mann mit Galabea und Maschinengewehr, der sich durch Zeichen mit MEINEM Bodygard unterhält! Ich muss lachen und der junge Polizist grinst jetzt auch, und zwar zu uns ins Auto.

„Ich weiß nicht, wie lange das Benzin noch reicht.“

Jetzt frage ich Tante Google. Bei der Kartenfunktion habe ich vorher irgendwie einen Knopf gedrückt, bei dem nach Sonderzielen gefragt wurde. Da, ich hab‘s und gebe Tankstelle ein. Obwohl ich nicht glauben kann, dass hier in der Wüste Tankstellen verzeichnet sind, warte ich gespannt auf das Ergebnis. „ Das glaub ich nicht! Hier sind Tankstellen! Die nächste in 20 Minuten!“

„So weit reicht es nicht!“

Fachmännisch schau ich auf die Tankuhr. „Die hat sich ja noch gar nicht bewegt!“

„Du schaust bestimmt auf die Temperatur daneben.“

Ich schau noch mal genau hin. Könnte sein: Blau zu rot und „C“ zu „H“; ich lehne meinen Kopf etwas mehr vor Andreas um die Anzeige daneben zu erkennen. „Ach, da ist doch noch eine Menge drin! Da kommst du locker noch 50 Kilometer!“

„Na du Spezialist musst es ja wissen!“

Mein Blick geht wieder zu den Jungs. Huch, beide bewegen sich. Wie auf Kommando nehmen sie ihre Helme ab und tauschen diese gegen eine Art Baseballkappen. Vorsichtig schielt der eine wieder zu uns, als ob er fragen möchte: „Sehe ich gut aus?“

Ich nicke anerkennend und mache Daumen hoch. Er grinst. Dann gebe ich mit ernster Miene ein Zeichen, es soll mit seinen Augen die Gegend überwachen, nicht zu uns schauen. Sofort schaut er geradeaus, bevor sein Blick wieder grinsend seitlich in unser Auto schweift. Jetzt holen die Beiden einen Glimmstängel aus der Tasche. Er bietet mir auch eine an, doch ich schüttle den Kopf. Sie rauchen beide und wirken entspannt im Gegensatz zu Andreas, der gefühlt das 10te mal sagt, dass das Benzin bald leer ist.

„Laut meinem Navi musst du auf die Parallelstraße hier links, um an eine Tankstelle zu finden.“

„Deiner Orientierung glaube ich keine Wort und ich werde einen Teufel tun, hier auszuscheren. Übrigens ist hinter uns auch ein Polizeiwagen. Wir werden also vorne und hinten eskortiert!“

„Na hoffentlich haben die uns verstanden!“

Der nächste Checkpoint kommt und unser Jeep vor uns fährt rechts ran. Wir machen das Fenster auf und fragen noch mal nach Benzin. Er deutet wieder, gerade aus zu fahren. Wir bedanken uns und wollen gerade starten, als wir sehen, dass der Jeep vor uns vor uns losfährt.

„War das jetzt fliegender Wechsel?“

„Sieht so aus!“, meint Andreas. „Und hinter uns der Wagen ist auch wieder da.“

So geht die Fahrt weiter und wie bei einem Staffellauf lösen sich die Jeeps, denen wir folgen, an den Checkpoints ab. Obwohl keiner meiner Weisung folgt, einmal links auf die Straße zu wechseln, taucht vor uns eine kleine Tankstelle auf. Oder es soll eine sein. Ein Eselkarren steht vor der Zapfsäule und der Besitzer sitzt auf einem Anhänger. Der Polizist steigt aus und fordert ihn auf, uns zu tanken. Da stellt sich heraus, das er nur Diesel hat.  Andreas zeigt schon fast hibbelig auf seine Tanknadel, als der Officer erklärt: „In ten KM is a big station!“

Zehn Kilometer, ja, das schaffen wir. „Aber wir müssen links abbiegen!“, beharre ich auf Tante Google’s Kartensysthem.

„Gar nicht’s mach ich!“ Oh, da ist jemand gereizt!

„Hier müssten wir abbiegen!“, versuche ich es ein letztes Mal, bevor ich mein Internet schone und das Programm beende. Doch zu meinem Erstaunen stehen wir bereits vor einer Tankstelle! Wir fahren an die Zapfsäule, der Jeep wartet, das Polizeiauto hinter uns fährt mit ran. Der Polizist steigt aus und verunsichert den Tankwart total. Wir wollen für 100 Gynih tanken. Normalerweise wird dann für 98 LE Benzin getankt, der Rest ist Trinkgeld. Unter den Augen des Gesetzes wurde bei exakt 100 LE aufgehört zu tanken und nur unter Protest nahm er das Trinkgeld an. Jetzt verabschiedeten wir uns von unserem Eskorte, denken wir. Doch w“ieder wartet der Polizeijeep auf uns.

Auf einmal blinkt er, um bei einem U-Turn zurück zu fahren.

„ Jetzt lässt er uns fahren!“

„ Oh, das glaub ich nicht!“ Ich deute auf das Fahrzeug, dass vor uns beschleunigt. „Hier steht schon der nächste, der auf uns wartet!“

„Du siehst, das Militär und die Polizei funktionieren. Mitten in der Wüste wird fliegender Wechsel gemacht, die müssen sich mit Funk vorab verständigt haben. Wie bringen wir denen jetzt bei, dass wir einen Shishastopp machen?“

„Na, indem du einfach abbiegst?“

Egal, was wir gemacht hatten, unser Polizeiwagen hat immer auf uns gewartet. Wir vermuten schon, wir werden bis Safaga begleitet. Doch kurz vor Ausbau der neuen Straße bog der Polizeijeep ab und es wartete niemand mehr auf uns. Eigentlich Schade, es war ein gutes Gefühl!

Hallo, hier ist die rosarote Brille

„Da sieht mal wieder jemand was durch die rosarote Brille!“, diesen Einwand bekomme ich öfter, wenn ich mich zum Beispiel positiv über Ägypten als Urlaubsland äußere. Man will mir damit sagen: „Hey, schau mal genau hin, da sind eine Menge Dinge, die nicht so gut sind, vergisst du die?“

Nein, ich vergesse sie nicht, aber ich gewichte sie anders. Das ist meine Lebenseinstellung und ich nenne sie „optimistisch“, mir geht es dabei sehr gut. Jeder hat eine rosarote Brille, es kommt nur darauf an, wie oft er sie benutzt.

Natürlich gefällt es mir nicht, dass die blauen Mülltüten meinen Weg nach Hause zieren, aber der Blick in die Berge mit den Farben bei Sonnenuntergang ist unschlagbar.

Sonnenuntergang

Was soll ich machen, wenn auf meinem geparkten Auto Bananenschalen liegen, die aus dem Fenster darüber entsorgt wurden? Ich nutze in Zukunft halt die Bauruine neben an als Carport. Nein, ich verstehe nicht, warum es tausende von Bauruinen gibt, und es immer mehr werden. Doch ich bewundere den Optimismus der Ägypter die weiterbauen, als ob die ganze Welt hier her kommen möchte.

Wie sieht es bei dir aus? Stehst du morgens auf und freust dich, einen lieben Mensch bei dir zu haben, einen guten Kaffee trinken zu können oder etwas Schönes an diesem Tag zu machen?

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Oder ärgerst du dich über das Geschirr vom Vorabend, was nicht weggeräumt ist, das Toilettenpapier, was zum falschen Zeitpunkt zu Ende ist oder über den bevorstehenden Stau auf dem Weg zur Arbeit?

Das ist nur ein kleines Beispiel für Sichtweisen. Doch ich denke, das zieht sich wie ein roter Faden durch die persönliche Einstellung. Und Menschen, die sich darüber aufregen, dass man eine Urlaubsdestination natürlich mit positiven Eindrücken bewirbt, gehören vielleicht auch zu denjenigen, die am Urlaubsort mit der Kamera nicht lustige, schöne Eindrücke festhalten, sondern den ganzen Tag Sherlock Holmes spielen, um Indizien zu sammeln, damit man dann vom Urlaubspreis auch noch was zurückbekommt.

Jetzt stellt man sich natürlich die Gretchenfrage: „Geht es mir so gut, weil ich optimistisch bin oder bin ich optimistisch, weil es mir gut geht?“

Jeder von uns hat sein Packet zu tragen. Es gibt niemanden, dem alles geschenkt wird oder der keine Sorgen hat. Es kommt auch wieder darauf an, wie man es gewichtet. Ich kenne so viele Geschichten des Lebens, von Menschen, die man auf den ersten Blick beneidet. Und das ist auch ein Gefühl, welches man mit rosaroter Brille nicht bekommt: Neid!

Wenn ich meine eigene Lebenslage optimistisch sehen kann, dann muss ich nicht auf andere Menschen neidisch sein.

Wie oft wurde mir bei Einstellungsgesprächen von Bewerbern gesagt: „Ja Sie haben es ja gut! Sie sind ihr eigener Chef!“

Das erinnerte mich immer an meine kleinen Kinder, die meinten, wenn sie erwachsen sind, können sie tun und lassen, was sie wollen. Ja glauben die denn wirklich, als Chef hat man keine Pflichten???

Der Neid kann sogar so weit gehen, dass man nach dem Motto lebt: „Wenn ich meine Situation nicht verbessern kann, dann soll es dem anderen schlechter gehen!“ Da wird gemobbt und intrigiert.

Deshalb: Wenn die rosarote Brille hilft, zufriedener zu sein, dann schenke ich hiermit jedem eine – viel Spaß beim Testen und teilen!

Wo stehst du?