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Sofra Daima – gedeckter Tisch

Asmaa Mousa, eine moderne Ägypterin, die jahrelang in Stuttgart gelebt und gearbeitet hat, setzt sich schon lange für die Familien ein. Sie hat vor Jahren bereits den Verein für Bildung Familien und Volk (hier Info) gegründet um Familien in Not zu helfen. Wir unterstützen diesen Verein seit 2016, sei es mit Spenden von Fairholiday, ehrenamtlicher Mitarbeit oder wie jetzt, Publizierung einer neuen Idee.

 

Asmaa ist gelernte Köchin und kann auch deutsche Küche. Jetzt gibt sie dieses Wissen an Ägypterinnen weiter und bietet mit Sofra Daima (hier Info) einen Lieferservice an mit ägyptischer/deutscher Küche. Den Überschuss der Einnahmen dürfen die Ägypterinnen behalten und können sich so ihren Lebensunterhalt etwas aufbessern.

Da ihre deutschen Kochkünste schwäbisch angehaucht sind, werden Goulasch mit Spätzle, Schupfnudeln oder auch schwäbische Maultaschen angeboten. Natürlich haben wir das Praktische mit dem Nützlichen verbunden und bestellen für unsere Bootstour (hier  Link zur Info) das Essen bestellt. Frikadellen, Kartoffel- und Nudelsalat kamen gut an. Doch dann versuchten wir auch einmal die ägyptischen Vorspeisen wie Papaganoug, Tahina und Mashi. Als Nachtisch gibt es Käsekuchen mit selbstgemachtem Quark, deshalb auch 2 Tage Vorlaufzeit, schwäbischen Apfelkuchen. Und für Weinliebhaber: Wie wäre es mit einem Zwiebelkuchen dazu? Wir waren begeistert und seit dem können unsere Gäste beim Tagesauflug eine Mischung aus deutscher und ägyptischer Hausmannskost genießen.

In Deutschland hat Asmaa in der Volkshochschule Kurse für agytische Spezialitäten abgehalten, die guten Anklang fanden. Jetzt hat sie sich überlegt, ob dies nicht auch in ihrem Heimatland funktionieren sollte, wo es so viele europäische Menschen leben, die hier ihre Wahlheimat haben und die hiesige Küche lieben.

Deshalb war es auch nicht verwunderlich, dass bei ihrem ersten Kochkurs spontan 9 Teilnehmer dabei waren, die auch direkt den nächsten Kurs gebucht haben.

Kochkurs (hier Film)

Im ersten Kurs lernten wir die Zubereitung von Mashi. Wer wie ich glaubt, das Mashi ein Synonym für die gefüllten Wein- oder Krautblätter ist, der wird jetzt eines Besseren belehrt: Mashi nennt man die Füllung. Gefüllt werden kann neben den Blättern auch Gemüse wie Aubergine, Zwiebel oder Zucchini. Dies wollte Asmaa uns zeigen.

 

Vorbereitung des zu füllenden Gemüses:

Als erstes nehmen wir die Weinblätter. Jetzt im Frühjahr ist dafür Saison und man bekommt diese am Souk. Asmaa betont, bitte darauf zu achten, dass die Weinblätter sich soft anfühlen. Die Weinblätter werden kurz im kochenden Wasser blanchiert, dann können sie gefüllt werden.

Ähnliche Vorgehensweise haben wir mit dem Kraut. Vom Weißkohl erst einmal den Strunk entfernen, damit wir die Blätter einzeln abziehen können. Auch die ganzen Blätter werden blanchiert, bis sie geschmeidig aber nicht zu weich sind. Die großen Blätter werden zusammengelegt, der Strunkstil entfernt und dann in Rechtecke geschnitten.

Die jungen Auberginen, weiß-lila, werden wie Knetmasse erst einmal gerollt, damit man das Fruchtfleisch leicht entfernen kann. Der Stiel wird abgeschnitten und mit einem Spezialmesser, was etwas an einen Apfelentkerner erinnert, ausgehöhlt. Das ausgeschabte Fruchtfleisch werfen wir im Gegensatz aller anderen Abfälle, weg, da es bitter ist.

Die Zucchini werden genauso bearbeitet, doch zusätzlich wird mit den Zacken des Messers leicht an der Schale entlanggefahren. Jetzt haben wir den Sand entfernt und ein schönes Muster.

Zwiebeln werden zur Hälfte eingeschnitten, dann etwas länger blanchiert, so dass Schale für Schale abgenommen werden kann.

Die Füllung – Mashi

Jetzt, nachdem wir das Gemüse vorbereitet haben, kommen wir zum Herzen, zum Mashi. Ein Kilo ätyptischer Reis wird einfach nur in einem Sieb gewaschen. Dann nimmt Asmaa einen Käsehobel und hobelt damit ein Kilo weiße Zwiebeln, ein halbes Kilo Tomate.

Ein Bündel Dill, Petersilie und Koriander wird kleingehackt.

Hinweis: Koreander hat einen sehr eigenen Geschmack und sollte deshalb sehr sparsam verwendet werden. Da Koriander unserer Krauspetersilie sehr ähnlich sieht, immer mit dem Finger ein Blatt zerreiben und an den Fingern riechen.

Jetzt wird alles gemischt und mit Salz, Pfeffer, Kreuzkümmel und getrockneter Pfefferminze gewürzt.

Tipp:

In Ägypten wächst die Pfefferminze wild. Einfach zwei Tage in Schatten trocknen lassen, dann kann man die Minze als Tee oder Gewürz nehmen.

Das Füllen:

Jetzt wird das Mashi in die Gemüsehüllen gefüllt. Die Weinblätter müssen mit der glatten Seite nach außen gefüllt werden. Man beginnt an der breiten Seite, legt etwa einen Teelöffel der Reismischung auf und macht dann ein Päckelchen, in dem man als erstes die Seiten einschlägt, dann daraus eine Rolle macht.

Ähnlich wird mit dem Weißkraut verfahren, lediglich dass die Seiten offen bleiben. Man rollt wie eine Zigarre.

Die Zwiebeln sind jetzt auch längliche Streifen und werden gerollt.

Zucchini und Auberginen muss man mit den Fingern füllen.

Das Garen

Wir nehmen einen Topf und legen den Boden mit den Gemüseabfällen aus, außer die von den Auberginen, da diese bitter werden. Die Kraut- oder Weinblättermashi werden liegend im Topf gestapelt. Die Auberginen und Zucchini werden stehend in den Topf gegeben.

Es wird etwas Wasser dazugegeben, aufgekocht und dann etwa 30 Minuten sieden lassen, außer die Krautmashi, die sind nach 20 Minuten fertig.

Das Finale:

Der Vorteil an Mashi: man kann sie kalt und warm essen. Wenn sie kalt gegessen werden, dann können sie gut als „Fingerfood“ gereicht werden, also nur mit Serviette.

Abwandlung:

Das Schöne an diesem Gericht, man kann natürlich variieren: Hackfleich darunter mischen oder Karotten. Natürlich kann man die Mashi auch mit Chilli scharf anbieten oder als warmes Essen mit Tomatensoße reichen (dann bitte mit Besteck!).

Fazit:

Der Kochkurs war sehr informativ und lustig. Die Teilnehmer waren so begeistert, dass sie sofort den nächsten Kurs auch gebucht haben. Da die Ägypterinnen das Essen in der Hälfte der Zeit schaffen zu produzieren denke ich mir für meinen Teil: Ich bestelle das nächste mal und lade nur zum Essen ein! Übrigens: Das Essen kann in kleinen Mengen bis hin zur großen Party bestellt werden. Es wird in Mubarak 7 oder Dahar abgeholt  oder mit dem Taxi gebracht.

Tipp: Asmaa macht mit ihren Frauen hervorragende Pasta selbst! Egal ob Spinatnudeln, Maultaschen oder Schmetterlingsnudeln, ein Traum und ein tolles Preis- Leistungsverhältnis!

Also, unterstützt das Engagement von Asmaa und kommt zum Kochkurs oder bestellt das Essen für eure nächste Party!

Erreichen könnt ihr Assma über FB!

Wir freuen uns auf das nächste Essen!

Astrid und Andreas

Fairholiday

 

Die Weißwurst in Ägypten

Wie die Weißwurst nach Ägypten kam, wo alles begann und warum wir seit 6 Jahren diesen Brauch hier pflegen, das war sogar schon Thema bei Antenne Bayern gewesen. Deshalb wird es Zeit, darüber auch mal in eigener Sache ausführlich darüber zu berichten!

Wie alles begann

 

Bereits 2011 hatten wir unsere Wohnung in Hurghada gekauft. Immer, wenn es das Zeitfenster zuließ, packten wir unsere Sachen und verbrachten unsere freien Tage in Ägypten. Das praktische: Wir mussten nicht viel mitnehmen, da unsere Kleidung bereits vor Ort war.

Wenn man hier lebt, vermisst man eine Sache ganz schnell: das deutsche Essen. Natürlich zählen dazu auch die guten Wurst und bayrische Spezialitäten. Besonders wenn wir wiedermal bei Bertls Weißwurststammtisch in Zwiesel eingeladen waren, dort, wo auch der Weißwurstäquator entlang läuft. Bei seinen Stammtischen in Niederbayern kam uns damals die Idee: Für gute Freunde in

Ägypten haben wir „Leckerlies“ aus Deutschland eingepackt, uns mit diesen getroffen und Bayern nach Ägypten gebracht. Wir haben die Weißwürste und den Senf spendiert, Thomas Huth hatte im damaligen Steigenberger Al Dau Club den Platz, die Getränke und die Brezen spendiert. Das Ganze fand damals noch im kleinen Kreis der besten Freunde statt. Doch von Mal zu Mal wurde die Runde größer und  auf einmal waren  auch Freunde von Freunden dabei. Dann war es an der Zeit, sich etwas anderes einfallen zu lassen.

Wo ist eine würdige Location?

Die bayrischen Farben Weiß und Blau finden sich natürlich in Ägypten wieder: Das türkise Meer mit den weißen Schaumkronen, der strahlendblaue Himmel mit den weißen Wolken. Unter den deutschen Residenten gab und gibt es einen Geheimtipp, wo man sich trifft: die Caribbean Bar im Hotel Bella Vista.

Auf Stelzen ist diese Location auf das Rote Meer gebaut worden und spontan dachten wir: Dies ist einem Weißwurststammtisch würdig. Cello Lauck, der Manager dieser Bar, war von unserer Idee begeistert und so starteten wir einen Aufruf in Facebook: „Wer möchte unter ägyptischen Sonne bayrische Weißwürste genießen?“ Und siehe da! Ganz schnell waren 70 Personen verbindlich angemeldet, die den deutschen Brauch, Weißwurst vor 12.00 Uhr mittags essen, mit uns pflegen wollten. Wir waren begeistert.

Im Februar 2012 war es dann soweit, der erste Stammtisch wurde vorbereitet.  Es war toll zu sehen, wie man aus einer Strandbar eine Weißwurstbar zauberte. Eine große bayrische Fahne und kleine Tischfahnen hat unser großes Vorbild Bertl gesponsert. Um Stilecht zu bleiben, haben wir bei Ebay sogar das König Ludwig Weißwurstservice ersteigert!

Auch wenn das Wetter noch etwas kalt war, auch in Ägypten gibt es Winter, so zieht man einen dicken Pulli an und Heizpilze werden aufgestellt.

Wir freuten uns, dass Thomas Huth den bayrischen Wimpel, unser Symbol für den Weißwurststammtisch,  an Cello weitergereicht hatte. Dieser wird seit dem immer an unserem Tisch aufgestellt.

Highlights

Sechs Jahre Weißwurststammtisch Zwieseler Winkel Aussenstelle Hurghada birgt einige tolle Erinnerungen. Immerhin mussten inzwischen über 2000 Weißwürste und 70 Kilogramm Weiwurstsenf nach Afrika gebracht werden. Ich kann mich noch gut erinnern, als wir das erste Mal recherchierten, ob man überhaupt Weißwürste einführen darf!

Das Internet ist ein bisschen widersprüchlich: Einerseits sind bei verbotenen Gegenständen nur Fleisch und Schweinefett erwähnt, andererseits ist bei erlaubten Gegenständen Schweinefleisch ausgeschlossen. „Weißwurst ist doch aus Kalb!“, wollte Andreas argumentieren. „Klar, deshalb steht überall auf dem Etikett Schweinefleisch!“ Egal, wir nehmen aus Deutschland, wenn es unser Freigepäck zulässt, immer zwischen 100 und 150 Weißwürste mit, müssen diese auch bei der Einreise zeigen, doch bisher hat uns noch nie jemand diese weggenommen. Andreas zeigt immer auf seinen Bauch und meint: „All i can eat!“ oder: „Kersh kibir!“ was dicker Bauch bedeutet.

 

Ursprünglich war geplant, dass unsere Auswanderung für Goodbye Deutschland aufgezeichnet werden sollte, doch leider konnten wir erst 2013 unseren Traum verwirklichen, und das dauerte VOX zu lange.  Trotzdem wurde der zweite Weißwurststammtisch im August 2012 von den Kameraleuten begleitet und dann bei RTL ausgestrahlt.

Extra für Hurghada wurden Weißwurst-Shirts angefertigt und natürlich haben wir uns auch sofort mit der Weißwurst Armbanduhr geschmückt, als wir diese zum Kauf angeboten bekamen.

 

Und am meisten begeistert uns, dass es viele Auswanderer gibt, die hier in Ägypten bayrische Tracht hängen haben! Ein bisschen Modenschau ist immer dabei.

Ende letzten Jahres wurde Andreas von einer fremden Telefonnummer regelrecht verfolgt. Als seine Neugier dann doch zu groß wurde, nahm er das Telefonat mit ausländischer Vorwahl an. „Hallo, hier ist Antenne Bayern. Wir haben recherchiert und gelesen, dass ihr in Ägypten regelmäßig einen Weißwurststammtisch macht! Morgen ist Tag der Weißwurst und wir würden gerne darüber berichten.“ Rums, sogar bis zum Radio eilt unser Stammtisch.

 

Der Weißwurststammtisch heute

 

Viel hat sich nicht verändert: Wir sind wieder in der Caribbean Bar, hängen weiter die Fahne auf und auf den Tischen sind immer noch die bayrischen Fahnen. Der Wimpel ziert unseren Tisch doch Andreas raucht inzwischen seine Shisha dazu. Aus den Tischdecken sind Tischsets geworden, heute verteilt nicht mehr Cello sondern Petra Herold und manchmal passen wir in unsere Tracht, manchmal nicht. Der große Weißwurst Topf ist immer noch voll nur das Wasser ist manchmal heißer, so dass wir manchmal „Mädeln“ (geplatzte Würste) ausgeben mussten. Weißbier wird nicht mehr so viel in Ägypten hergestellt, so dass wir meist Stella trinken und da die Gläser mit Senf nicht so gut zu transportieren sind, besorgen wir Händlmeier Portionssenf.

Und die Gäste? Schaut genau hin, auch die sind teilweise seit dem ersten Stammtisch treu.

Zwei- bis dreimal im Jahr pflegen wir diesen Brauch. Und wenn ihr das nächste Mal auch dabei sein wollt, dann meldet euch bei uns in FB.  Wir freuen uns jetzt schon auf den 15. Weißwurststammtisch!