Warum nicht Ägypten?

Die Kriterien unseres ersten geplanten Urlaubes sind schnell zusammengefasst:

Wo gibt es Sonnengarantie im November:
Karibik, Kanaren, Südamerika, Ägypten, Türkei

Wir wollen keine lange Anreise:
Kanaren, Ägypten, Türkei

Wo ist das beste Preis-Leistungsverhältnis:
Ägypten, Türkei.

Türkei kommt für mich nicht in Frage, ich fahre in kein muslimisches Land. Also buchen wir für unseren Frühjahrsurlaub 14 Tage in einer Anlage in Marsaalam.

Der Flug ist angenehm. Andreas unterbricht mein Dahindösen. „Du weißt schon, dass Ägypten auch ein muslimisches Land ist.“
Irritiert schaue ich ihn an. Ägypten und muslimisch? In meinem Kopf blättere ich kurz die Bilder, die ich mit diesem Land assoziiere, durch:
Cleopatra, die hatte einen schicken Pagenschnitt und wallende Gewänder, wenn sie nicht gerade nackt in Eselsmilch badete oder sich mit römischen Königen die Zeit vertrieb – ohne Kleidung.
Tempel, in denen Pharaonen mit ihrem Harem lebten, die in meinen Geschichtsbüchern viel Goldschmuck trugen, aber keine Galabeas.
Die Pyramiden, die letzte Grabstätte der Pharaonen. Auch da kann ich mich nicht entsinnen, irgendwo eine Mumie verschleiert gesehen zu haben, außer dass sie natürlich von oben bis unten einbalsamiert waren und dadurch keine Haut mehr zu sehen war.
„Nein, Ägypten liegt doch nicht bei Saudiarabien oder Iran/Irak!“
Ich stelle mir gerade die Weltkarte vor von meinem Lieblingsspiel „Risiko“, wo ich immer Ägypten verteidigt habe – auf dem Kontinent Afrika. „Ägypten ist Afrika – keine Muslime!“
„Doch, Ägypten besteht aus 90% Muslimen und 10% Kopten, also orthodoxen Christen.“
Mein Gehirn blättert um nach Afrika. Tief braune, gut gebaute Männer kämpfen mit Pfeil und Bogen im Lendenschurz mit Löwen und Tiger. „Also unter Afrika verstehe ich was anderes. Nein, wir fliegen nach Ägypten, das ist ein eigenes Land, egal auf welchem Kontinent. Es ist das Land des Papyrus, das Land der Sterne und Astrologie! Das Land der Pyramiden, die als Weltwunder gelten. Also die waren vor 5000 Jahren schon moderner als der Rest der Welt.“
„Aber heute ist es muslimisch. Sie leben nach dem Koran.“
Ich hole die Weltkarte aus dem Netz an der Rückenlehen des Vordersitzes. Ägypten, das Land der Wüste. Das Land des Sandes und Staubes, das tatsächlich am Mittelmehr an Libyen und Israel grenzt. Jetzt erscheint mir Omar Sharif beim Ritt durch die Wüste, der zum Schutz einen Turban, denn er auch als Mundschutz nutzte, trägt. Ein wenig entzaubert versuche ich dem ganzen etwas Praktisches abzugewinnen. „Na ja, so eine Verschleierung hat bei der Sonne vielleicht auch Sinn. Schützt gegen das Ausbleichen der Haare, gegen Hautkrebs und man kann Essen was man will, es spannt nicht. Aber sind die Frauen dort unterdrückt?“
„Ich denke, dass die Gleichberechtigung dort etwa so stark vorhanden ist wie Fisch beim Metzger.“
Meine Wunschbilder von Tausend und einer Nacht bröckeln gerade von meiner Traumfassade. Was ist aus den Nachfahren von Cleopatra und Nofretete geworden?

Die Stewardess holt mich in die harte Realität zurück und bittet uns, die Einreisekarte auszufüllen. Fasziniert schaue ich die ägyptische Schrift an und verstehe nun die Herkunft der Hieroglyphen. Doch auch das in lateinischer Schrift geschriebene scheint für manche ein Problem, denn schon geht das Getuschel im Flugzeug los: „Was heißt denn Capital letter? Sollen wir eintragen, wieviel Bargeld wir dabei haben?“
„Und was ist purpose of arrival?“
Na ja, arabisch muss man nicht sprechen, wenn man nach Ägypten fliegt, doch wie wär‘s mit englisch?? Mein Problem ist ein ganz anderes: Wo hat die Handtasche den Kugelschreiber versteckt? Wieso muss das Gesuchte immer ganz unten in der Handtasche stecken? Andreas ist schon leicht genervt, weil ich ihm den Inhalt meiner Handtasche reiche: Bürste, Handy 1, Handy 2, Lippenstift, Wimperntusche, Beutel vom Dutyfree shop, Zahnbürste, Buch, Sudoku, Geldbeutel, Pässe, bis endlich ein Stift zum Vorschein kommt. Alles wieder einräumen. Wir füllen die Karte aus, bis wir zu dem Punkt Passnummer kommen. Wir schauen uns an. Er hält schon freiwillig die Hände hin: Handy 1. Handy2…. .

Nach nur viereinhalb Stunden Flug sind wir im Landeanflug auf den Flughafen in Hurghada. Bereits der Ausblick beim Sinkflug verzaubert uns. Erst sehen wir aus dem kleinen Fenster die weite der Wüste mit einem angrenzenden Gebirge. „Hier gibt es Berge – hast du das gewusst?“
„Nein, zumindest dachte ich nicht, dass es so hohe und lange Gebirgszüge gibt.“
Jetzt machen wir eine 180 Grad Kurve und sind auf der Meerseite. Von tiefem dunkelblau, was am Horizont mit dem helleren Blau des Himmels wie ein Strich erscheint, verändert sich die Farbe zum Land zu den verschiedensten türkistönen. Atemberaubend. Am Strand gibt ein Hotel dem nächsten die Hand. Riesige Anlagen mit Poollandschaften sehen von oben aus, wie Legoland. Wir haben nicht genug Zeit, alles auf uns wirken zu lassen, denn schon hören wir wie die Reifen ausgefahren werden. Kurze Zeit später drückt uns die Fliehkraft durch das starke Abbremsen in die Sitze und wir stehen. Gespannt warte ich, ob wieder ein paar Leute zum Zeichen der Erleichterung, heil den Boden erreicht zu haben, in die Hände klatschen. Nein, keiner. Gott sei Dank.

Dafür geht der Dreikampf bereits los, obwohl der Startschuss noch gar nicht gefallen ist. Sitzhochsprung, Handgepäckstemmen und Flugzeugausstiegspurt. Wir bleiben sitzen. Die Erfahrung zeigt, dass wir uns spätestens am Kofferband alle wieder sehen.

Als wir von dem gut gekühlten Bauch der Maschine auf die erste Stufe treten, weht uns ein warmer Wind entgegen, als ob jemand mit dem Föhn da stünde. Hellblauer Himmel, die Sonne steht etwas über dem Zenit, da es erst zwei Uhr nachmittags ist. Langsam gehen wir von Bord und folgen der Menge in einen Bus. Die wenigen Sitzplätze sind schon belegt. Nach so langem Sitzen bin ich froh, stehen zu dürfen und suche lediglich einen Platz bei den Rädern, da das Handgepäck dort bequem auf der darüber befindlichen Ablage gestellt werden können und ich mich an einer senkrechten Stange lieber festhalte. Die vertikalen Stangen sind meist so hoch, dass mein T-Shirt zu hoch rutscht. Und aus Größe 38 bin ich seit 15 Kilo rausgewachsen. Ich komme mir vor wie in der U-Bahn in China, es wird immer voller. Die natürliche Hitze wird jetzt durch die vielen Passagiere noch um ein bis zwei Grad erhöht, wodurch der Geruchssinn auch etwas zu tun bekommt. Noch ein Grund, eine senkrechte Stange zu haben, an der man sich in Brusthöhe festhalten kann – Freund Achsel lässt grüßen. Der Bus ist scheint ein neueres Modell zu sein, doch von einer Klimaanlage ist nichts zu spüren. Laut Durchsage des Captains im Flugzeug haben wir 35 Grad im Schatten, doch kein Schatten in Sicht. Als auch der letzte Fluggast im Bus ist, fahren wir los. Einen Schlenker rechts, eine langgezogene Kurve links, eine Vollbremsung und schon wäre Platz für noch weitere 20 Gäste. Die Türen öffnen sich und wir steigen aus und beeilen uns, in die klimatisierte Ankunftshalle zu gehen. Wie ein Mückenschwarm überfallen uns die Angestellten aller Reiseveranstalter, um ihre Schäfchen zu finden. Wir ignorieren diese, denn Richtung Ausgang müssen wir alle. Da kommt ein freundlicher Ägypter zu uns und fragt in fast akzentfreiem Deutsch: „Brauchen Sie ein Visum?“ Erfreut über die Sprachkenntnisse hat er schon unser Vertrauen gewonnen und wir nicken. „Geben Sie mir Ihre Pässe und 60,00 Euro. Sie können sich schon mal bei der Schlange für den Einreisestempel anstellen, ich bringe Ihnen das Visum.“ So eine Dienstleistung hatten wir nicht erwartet, so dass wir dieses unschlagbare Angebot annehmen. Keine zwei Minuten stehen wir an der Schlange, als er uns stolz unseren Pass mit Visum überreicht. Andreas zückt einen fünf Euroschein, doch der nette Mensch lehnt ab. „Wow, das nenne ich noch Gastfreundschaft!“ Er steckt das Geld wieder ein. Inzwischen sind wohl aus mehreren Maschinen die Gäste in der Halle und alle wollen den Ausreisestempel. An sechs Glaskästen schieben sich die Menschen langsam vorwärts und wir sind inzwischen so nahe, dass wir die Beamten beobachten können, wie sie fast in Akkordarbeit die Pässe durch ein Gerät ziehen und die Seite neben dem Visum abstempeln. Es warten bestimmt hunderte von Menschen. Immer wieder läuft ein Ägypter zu den Wartenden und ruft: „Halten Sie Ihre Einreisekarte und die Seite mit dem Visum bereit. Ordentlich, wie wir Europäer sind, halten wir uns an die Vorgaben. Nur ein paar, die im Flugzeug wohl die Einreisekarte verschlafen haben, stehen an den Seiten und füllen jetzt erst aus. Wir sind an der Reihe. Freundlich grinsen wir rein. Ein böser Blick und eine Hand, in die wir unseren Pass mit der Visumsseite nach oben legen, schauen aus dem Glaskasten raus. Bumm, bumm – fertig.

Wie Herdentiere folgen wir den Anderen, um durch die nächste Kontrolle zu gehen. Wieder sagt man uns, wir sollen unseren Pass so aufschlagen, dass der Einreisestempel zu sehen ist. Aha, die Kontrolle der Kontrolle. Yallah yallah, hören wir diesen Beamten rufen, was schneller schneller heißt, erste arabisch Kenntnisse! Auch dieses Anstehen dauert nicht lange, so dass wir, der Meute folgend, an den Kofferbändern ankommen. Ordentlich, wie auch in europäischen Flughäfen, gibt es eine Tafel auf der unser Flug mit der dazugehörigen Bandnummer steht. Jetzt sieht man alle aus dem Dreikampf wieder, das Kofferband läuft bereits, ohne Koffer. Ich nutze die Zeit, um aus meiner Handtasche die Buchungsunterlagen zu suchen. Diesmal nutze ich statt Andreas einen Stuhl zur Ablage. Schneller als erwartet hab ich das kleine Heftchen. Irgendwo muss es ja eine Seite geben, für unseren Transfer. Winkend mit unseren Vouchern gehe ich zu Andreas „Wenn wir die Koffer schnell bekommen, haben wir vielleicht noch die Möglichkeit, uns an den Pool zu legen?“ Er nickt, hält dabei den im Zweikampf errungenen Kofferwagen fest und stiert konzentriert auf das Band, worauf die ersten Koffer zu sehen sind. Ich überlege, ob er sich die Reihenfolge merkt? Vielleicht denkt er, er ist bei Rudi Carell „am laufenden Band“!
„Welche Sachen haben Sie sich gemerkt?“
„Ein roter Koffer mit gelben Gurt, ein schwarzer Koffer mit Aufkleber vom Center Park, ein brauner Hartschalenkoffer, eine weiße Kosmetiktasche…“

Ich will ihn nicht weiter stören und schaue mir die Unterlagen genauer an. Was entdecke ich da? Ein Gutschein für unser Visum, bereits bezahlt. Prima, wie blöd sind wir eigentlich? Doch in diesen Heftchen sind immer so viele Zettel, dass ich keine Lust habe, diese zu lesen. Das hat uns jetzt mal schlappe 60,00 € gekostet, die mit dem Reisepreis schon bezahlt waren.

Gerade will ich Andreas empört unsere Dusseligkeit erzählen, als er unseren Koffer erspäht. Seine Augen suchen mich, um den Kofferwagen vor den anderen Aasgeiern zu verteidigen, damit er sich durch die Dreierreihe Wartender kämpfen kann, um seinen Koffer zu holen. Ich springe hin, um ihn abzulösen, doch bis er sich durch gedrängt hat ist der Koffer schon vorbei. Ich grinse. Da entdecke auch ich einen Koffer, einen gelben! Ich habe mir angewöhnt, Koffer in Knallfarben zu kaufen, weil ich meinen sonst nicht erkenne. Fuchtelnd versuche ich Andreas auf mich aufmerksam zu machen, als ein anderer MEINEN Koffer nimmt. Ich behalte den Mann im Auge, während ich mit dem leeren Kofferwagen in seine Richtung fahre. Als wir uns gegenüberstehen halte ich demonstrativ meinen gelben Handgepäckskoffer entgegen und frage: „Sind sie sicher, dass das Ihr Koffer ist?“ Meine Hand mit den Vouchern zeigt auf MEINEN gelben Koffer. Grinsend nickt der Mann und zeigt mir SEIN Namenetikett auf MEINEM Koffer. Skeptisch schaue ich, als ich von hinten Andreas zornig rufen höre. Ich drehe mich um. Er steht mit zwei Koffer da und will SEINEN Kofferwagen. Ein leises „Entschuldigung“ bringe ich gerade noch über die Lippen, bevor ihr den Wagen schnell zu Andras schiebe. „Wo läufst du denn hin? Kannst du nicht einmal machen, was man dir sagt?“
„Ich dachte, der Mann hat meinen Koffer!“
„Du hast doch dieses Mal den roten Koffer dabei!“

Nach dieser Blamage sage ich lieber nichts von dem doppelt bezahlten Visum und folge ihm Richtung EXIT. Dort müssen wir noch durch den Zoll, der uns jedoch keines Blickes würdigt. Es ist drei Uhr und ich sehe den Pool schon schwinden. Beim Hinausgehen schlägt uns die Hitze wie ein Faustschlag ins Gesicht um. Um nicht noch einen Fehler zu machen, suche ich doch unter den vielen Männern denjenigen, der von unserem Reiseveranstalter eine Tafel trägt. Schnell ist er gefunden. Auch er begrüßt uns mit fließendem Deutsch. „Sie sind die einzigen Gäste, die nach Marsaalam fahren, deshalb bekommen sie eine eigene Limousine.“ Unsere Laune erhellt sich schlagartig. Der Gedanke, nicht mit einem Bus, der an jeder Kreuzung hält und Gäste auslädt, fahren zu müssen, lässt die Chancen, bald am Pool zu liegen, schlagartig steigen. „Wie lange müssen wir denn fahren?“
„Etwa dreieinhalb Stunden.“ Das war der KO Schlag für heutigen Pooltag.
„Dreieinhalb Stunden?“, hören wir uns gleichzeitig fragen.
„Ja, Marsaalam ist 280 KM entfernt, aber wunderschön! Es ist jeden Kilometer wert. Freuen Sie sich auf eine schöne Fahrt durch das Land, auch durch el Quisier. Genießen Sie Ihre kostenlose Besichtigungstour.“
Bei so viel Herzlichkeit ist unsere Laune sofort wieder auf dem Höhepunkt und wir begeben uns auf unsere exklusive Fahrt in den Süden.
Wie frisch verliebt sitzen wir auf der Rücksitzbank eines komfortablen Autos. Unser Fahrer heißt Mohamed und spricht nur arabisch. Also relaxen wir und saugen die orientalischen Eindrücke auf, wie ein nasser Schwamm das Wasser.

Erst müssen wir vom Flughafengelände runter und fahren über eine Allee auf eine Art Schnellstraße. Rechts von uns geht das Flughafengelände einfach über in Wüste. Links sehen wir Häuser, mal mehr und mal weniger fertig. Dann wie eine Art Wohnsiedlung. Uns fällt auf, dass es keine Hochhäuser gibt. Maximale Höhe sind vier Etagen. Jetzt fahren wir auf einer Art Schnellstraße, die nach einigen Kilometern in einen Kreisel mündet. „Hast du bisher eine Ampel gesehen?“
„Nein“
Kurz vor dem Kreisverkehr wird das Fahrzeug abrupt langsamer.
Wir sehen den Grund nicht, aber fühlen ihn sofort. Auf der Straße sind Unebenheiten. Wir schauen durch das Rückfenster und erkennen drei Teererhebungen, die quer über die Straße gehen. „Eine wirksame Art, die Geschwindigkeit herabzusetzen!“ Andreas grinst.

An dem Kreisel sehen wir ein riesiges Gebäude mit vielen kleinen Türmchen, die uns wieder in eine Märchenwelt versetzen. „Ist das ein Hotel?“ Andreas schüttelt den Kopf. „Hier steht groß eine Werbung, Senzomall, also ein Einkaufscenter. Leider biegen wir jetzt ab und fahren sehen die ersten Hinweisschilder nach Marsaalam, 275 KM.
„Schau nur, das Meer!“ Die Häuser sind immer weiter entfernt, so dass der Blick auf die Unendlichkeit des Meeres frei wird. Wir können uns gar nicht satt sehen. Blauer Himmel, keine Wolken und türkises Meer, auf dem die Boote wie weiße Punkte schwimmen. „Und das Ganze in einem vollklimatisierten Auto, wunderbar.“ Entspannt lege ich meinen Kopf auf die Schulter von Andreas und genieße.
„Unser erster richtiger Urlaub, seit dem wir ein Paar sind!“
„Ja, der erste richtige Urlaub seit dreieinhalb Jahren, in denen wir zusammen arbeiten und leben. Das hätte ich nie gedacht, dass das so gut funktioniert!“ Zum Zeichen der Bestätigung legt Andreas seinen Arm um mich und drückt mich. So muss sich das Paradies anfühlen.

Wieder wird das Auto langsamer, wieder das Poltern über die Bodenschwellen. Dieses Mal ist der Grund zur Geschwindigkeitsreduzierung ein Checkpoint. Es ist wohl die Ausfahrt aus Hurghada. Ein Mann mit Uniform und Pistole hält das Fahrzeug an. Unser Fahrer gibt ihm eine Art Scheckkarte und das einzige was wir aus Gestik und Worten verstehen ist, dass er mit uns nach Marsaalam fährt. Er bekommt seine Karte zurück und wird durch gewunken. Jetzt fahren wir direkt am Meer entlang. Die Straße ist erstaunlich gut und für jede Fahrtrichtung gibt es zwei Spuren. Unser Chauffeur fährt maximal 100 Stundenkilometer was zur Folge hat, dass das monotone Geräusch und das leichte vibrieren uns die Augen zufallen lässt. Wir wachen erst wieder auf, als die Sonne schon sehr tief steht. „Wie spät ist es?“ frage ich Andreas erschrocken. Ein Blick auf seine Armbanduhr zeigt, dass es erst halb fünf ist. Wir fahren durch den Ort el Quisir. Das ist das ursprüngliche Ägypten: Kinder, die auf der Straße spielen, die man in Europa eher Feldweg mit starken Unebenheiten nennen würde; Karren, deren Geschwindigkeit durch den davor gespannten Esel bestimmt wird; Cafés, in denen nur Shisha rauchende Ägypter sitzen, entweder mit einem Back Gammon Brett oder mit Dominosteinen. Wir biegen in eine Tankstelleneinfahrt. Langsam bewegt sich ein alter Mann auf das Auto zu, fragt etwas auf Arabisch und nimmt nach der Antwort einen Tankrüssel um unser Benzin aufzufüllen. Schon kommt ein älteres Kind mit einem Lappen und beginnt den Staub von den Fenstern zu entfernen. Es erinnert mich an die Zeiten der 70er, als es bei uns noch den Tankwart gab, die nach dem Ölstand schauten und die Fenster putzten. Genauso alt sind hier auch die Zapfsäulen. Andreas verfolgt die getankte Litermenge und den Zahlbetrag.
„Hast du gesehen, was der Liter Sprit kostet?“
Ich strecke meinen Hals und schaue. „1,85 Pfund. – Das sind 25 Cent!“
„Ein Traum!!“
„Volltanken für 10€, daran kann ich mich nicht mehr erinnern! Doch dafür wird hier der Verdienst auch entsprechend nieder sein.“
Der Junge mit den Putzlappen erhält ein paar Münzen, der Tankwart ein paar Scheine und dann geht es weiter.
Links das Meer, rechts Wüste, die langsam in ein tiefes orange eingetaucht durch den Sonnenuntergang getaucht wird. Die Fremdartigkeit fasziniert uns. Wie im Zeitraffer geht die Sonne unter, so dass wir den restlichen Weg auf einer zwar asphaltierten Straße fortsetzen, jedoch nur im Lichtkegel des Fahrzeuges. Immer wieder zucken wir zusammen, wenn wie aus dem Nichts ein Scheinwerfer kurz aufblinkt, und dann ein Fahrzeug auf der gegenüberliegenden Seite an uns vorbeirauscht. Fassungslos schüttle ich den Kopf. „Warum um Himmelswillen fahren die in dieser Dunkelheit ohne Licht?“ Wir können uns diese Frage nicht beantworten und unser Fahrer versteht uns nicht.

Als wir in eine Allee voll Lichter fahren, sehen wir am Ende einen großen Bau, was der Eingang zur Hotelanlage ist. Wir haben den ersten Eindruck, dass die unser 4 Sternehotel mit dem entsprechenden deutschen Standard locker mithalten kann. Bei der Ankunft hält man uns die Türe auf und nimmt uns sofort das Gepäck ab. Ein kalter Hibuskustee lindert den Durst und am Empfang werden wir freundlich begrüßt. Nach den Formalitäten bekommen wir einen Plan über die Anlage um uns schnell zurecht zu finden und dann werden wir mit unserm Gepäck in einem kleinen Elektroauto in unser Apartment gebracht. Nach dem uns der Fahrer die Koffer ins Zimmer getragen hat und uns die nötigsten Informationen gegeben hat verabschiedet er sich. Gerne drücken wir ihm ein 2 Euro Stück in die Hand.

Der Urlaub ist traumhaft: mit angenehmen 25 Grad am Abend lässt sich das Essen und die Cocktails auf der Terrasse doppelt so gut genießen. Als das Ende des Urlaubes naht, bricht in Island ein Vulkan mit unaussprechbarem Namen aus, was zur Folge hat, dass wir unseren Rückflug nicht antreten können. Wir werden, um näher am Flughafen zu sein, in ein Hotel nach Hurghada umgesiedelt. Drei ungeplante Verlängerungstage lassen uns nun ein anderes Ägypten erleben, was zur Folge hat, das wir schnell einen weiteren Urlaub in diesem Land verbringen wollen, den wir auch dazu nutzen werden, uns über Immobilienpreise zu erkundigen. Auswandern ist unser gemeinsames Ziel. Statt Italien haben wir uns für Ägypten entschieden!

Insidertipps und das Leben kennenlernen