Marokko -eine Reise wert

Eigentlich ist es vorprogrammiert, dass wenn einer von uns verreist, etwas passiert. Deshalb war es nur die Ruhe vor dem Sturm, dass Andreas begeistert Bilder schickte, von der tollen Egyptmaschine, die ihn erst von Hurghada nach Cairo, dann nach Casablanka bringt. Von dort aus muss er seine Koffer holen und bei Royal Air neu einchecken für den Inlandsflug nach Agadir.

Für die Kofferabholung und Check in war genügend Zeit eingeplant – 5 Stunden. Doch wer hat es schon einmal erlebt, wenn man am Kofferband steht und die Menschen darum herum werden weniger und weniger und weniger und zum Schluss steht man da und merkt: „Hallo, wo ist mein Koffer?“ So war es in Casablanca. Andreas war nicht alleine, sondern mit ihm noch 6 Leidensgenossen. Sie starrten alle auf das Band, wo immer wieder 7 Koffer an ihnen vorbeiglitten, doch niemand erkannte seinen. Nach einer Stunde war es amtlich: die fehlenden sieben Koffer stehen in Cairo, dafür sind sieben andere Koffer jetzt in Casablanca.

Normalerweise kein Drama. Doch erstens, war Casablanca nicht die Endstation, zweitens war in dem fehlenden Koffer die Kamera von Sonnenklar drin, für Liveübertragungen. Gut, angeblich sollten die fehlenden Koffer am nächsten Tag kommen und dann nach Agadir weiter geflogen werden. Die fünf Stunden Aufenthalt waren gerade genug, um das zu klären.

In Agadir angekommen, erwartet Andreas das, was er nicht vermisst: Regen. Anscheinend ist der Klimawandel überall angekommen, vom kalten Ägypten ins verregnete Agadir. Macht nichts, die Kamera ist ja eh nicht da, so wird auch keine Schaltung in den nächsten drei Tagen sein. Spannend wartete er auf den nächsten Tag.

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Ja, der Koffer ist in Casablanca, aber er kommt frühestens einen Tag später nach Agadir, da kein Flug mehr geht. Einen Tag später eröffnet man ihm, dass Royal Air nicht gewillt ist, den Fehler von Egypt Air auszubaden und den fehlenden Koffer nicht transportiert. Es kann auch niemand anders den Koffer mitnehmen, da man sich als Inhaber des Koffers ausweisen muss oder eine beglaubigte Vollmacht vorweisen muss. Könnte ja jeder kommen. Jetzt muss Plan B her. Fatima, die gute Seele von Meetingpoint Agadir versucht Andreas zu helfen. Die schnellste Möglichkeit: Auto mieten und selber an den Flughafen fahren – 600 KM einfacher Weg! Sie spricht mit dem Fundbüro und klärt die Öffnungszeiten: von 9.00 Uhr morgens bis 23.00 Uhr abends. Das Auto wird gemietet für den nächsten Tag. Damit an einem Tag keine 1200 KM gefahren werden müssen, wird eine Nacht im Labranda Hotel in Marakesch eingeplant.

Andreas lernt am nächsten Tag, dass die zeitlichen Absprachen in Marocco denen von Ägypten sehr gleichen. Der Leihwagen kam gegen 11.00 Uhr. Dann fuhr er durch Wiesen und Wälder, überholte Wohnmobile und viele PKW mit französischen Nummernschilder. Die Straßen sind ausgebaut und ohne Schlaglöcher, ein richtig toller Fahrspaß, der die 600 KM schnell vergehen lassen. Ein Lob auf GPS, welches ohne Fehldiagnose den Weg bis zum Flughafen lotst, wo er um 18.00 Uhr am Fundbüro steht – vor verschlossener Tür. Niemand ist telefonisch erreichtbar. Da die Parkgebühren am Flughafen ähnlich wie die an deutschen Flughäfen sind, muss der Leihwagen erst einmal umgeparkt werden.

Jetzt tritt Plan C in Kraft: es wird nach einer Übernachtungsmöglichkeit in Casablanca gesucht. Nach einer Stunde warten im Auto, wo sich auch der Zorn schon etwas gelegt hat, nennt man Andreas die Adresse eines Hotels. Weitere 40 Minuten Fahrt.

Am nächsten Tag steht er, typisch für einen Deutschen, kurz vor 9.00 Uhr wieder vor dem Fundbüro, welches, typisch für südliche Länder, nicht geöffnet ist. Die Zeit schreitet voran und mit jeder Minute des Wartens geht der Blutdruck von Andreas ein wenig höher. Bevor es lebensbedrohlich wird, entschließt man nun doch, gegen halb elf das Büro zu öffnen. Ein Wort der Entschuldigung? Nein.

Jetzt läuft es jedoch wie am Schnürchen: Der Koffer ist da und wird ausgehändigt. Ab ins Auto und los nach Marrakesch, wo Andreas trotzdem noch eine Nacht angehängt.

Was wäre ein Besuch in Marrakesch ohne einen Besuch auf dem Souk? Da man ja einen Leihwagen hat, wird selbst hingefahren. Der Verkehr ist ungefähr wie in Berlin, Neapel oder Kairo in der Rushour. Er fährt drei Mal um den Markt, wegen Parkplatzsuche und dann – ? Einmal rechts abbiegen und Andreas steht mitten auf dem Souk – mit Auto! Zurück geht nicht, sondern langsam durch! Augen zu wäre jetzt dumm, denn so hat man wenigstens die Möglichkeit, ohne angesprochen zu werden, den Souk zu durchqueren. Das machen auch viele Andere, mit Tuctuc oder Roller, nur er mit Auto! Die Fahrt durch den Markt dauert 45 Minuten!! Entnervt tritt er die Strecke zum Hotel an. Kein weiteres Sightseeing!

Am nächsten Tag wird die „Heimfahrt“ nach Agadir angetreten, um endlich Interviews mit schönen Bildern nach München zu senden. Das Wetter spielt mit – das Internet nicht! Leider nur ein Standbild möglich, doch was soll’s? Andreas hat noch eine Woche Zeit, zum Üben!

life Agadir