Dritte Woche Fasten

Hunger: Nein

Appetit: Ja

Gewicht: Stagnierend

 

Gut, alle Erfahrungsberichte aus einschlägigen Foren berichten das gleiche Phänomen: du isst nichts, trotzdem bewegt sich der Zeiger der Waage um keinen Millimeter nach unten, und dass über mehrere Tage. Der einzige Grund, das Fasten jetzt nicht abzubrechen, resultiert aus dem nicht vorhandenen Hungergefühl. Im Gegenteil, wir saßen mit Freunden im Restaurant und sahen beim Essen zu.

Doch gestern war dann schon der Höhepunkt des „Willst du nicht doch mal probieren-Tages“!

Wir haben Freunde aus Deutschland begrüßt die Hunger hatten. Also wird ein Vesperteller angeboten mit guter Fenchelsalami aus Italien, Gryer Käse aus der Schweiz und knackigen Tomaten. Gerade die kleinen, feinen Scheiben der Salami schrien mich förmlich an: „Versuche mich, es wird dir nicht schaden!“

Der Käse rief: „Etwas Eiweiß tut deinem Körper gut!“

Und die Tomaten und Gurken sangen im Chor: „Vitamine, Vitamine!“

Nein, ich war eisern. Nach dem die Gäste gegangen waren, kam die nächste Herausforderung. Wir haben für einen Bootsausflug zu kochen, Frikadellen. Nach dem Vermengen des Hackfleisches habe ich noch nie so sauber die Hände abgewaschen. Doch ein kleiner Rand hat sich gebildet und ich konnte nicht widerstehen: ich habe ihn abgeleckt! Und tatsächlich, es stimmt! Die Geschmacksnerven sind sensibler! Ich schmeckte den Knoblauch, die Zwiebeln, Salz, Pfeffer und Petersilie einzeln heraus!

Als nächstes bereitete ich das Salatdressing vor. Zwiebeln eingelegt in gutem Basalmiko Essig mit Olivenöl – flüssig! Also gönnte ich mir einen Teelöffel! Ich hätte das ganze Glas leer trinken können!

Nach dieser Tortur habe ich mich abends mit Freunden zum Kartenspielen getroffen, Als guter Gastgeber stellt man natürlich Knabbereien auf den Tisch – Chips. Ich hörte richtig das knacken in meinen Ohren, hatte den salzigen Geschmack auf der Zunge und merkte, es war mein Nachbar zur Linken, der sich dem Genuß hingab. Da platzte ich heraus: „Darf ich deine Finger ablecken!“

Oh Gott, nennt man das Fastenkrise? Wenn ja, dann steck ich mittendrin.

Doch heute hat mich die Waage wenigstens etwas milde gestimmt: 400 Gramm weniger. Also, schauen wir mal, was Woche vier so mit sich bringt!

 

 

 

The same procedure than last year?

The same procedure than every year!

Facebook hat eine wunderbare Funktion: Teile Erinnerungen mit anderen! Folgende Erinnerung blinkte vom letzten Jahr auf:

7 Tage fasten
Wow, wir machen heute die erste Woche Fastenkur voll! drei Kilo Orangen, zwei Kilo Karotten, ein Kilo Äpfel, eine Melone wurden ausgepresst, zwei Kilo Tomaten, zwei Kilo Karotten, vier Kilo Kartoffeln, ein Blumenkohl, ein Weißkohl wurden ausgekocht und 5 Liter Zimt- Hibiskus und Pfefferminztee aufgegossen. Ich glaube, so viel Obst und Gemüse haben wir in den letzten Monaten nicht gekauft wie in dieser ersten Woche und wir fühlen uns wohl.
Wir wundern uns, dass die Küche trotz fehlendem Kocheinsatz verschmutzt wird, die Spülmaschine täglich läuft und wir trotzdem Zeit für unsere Suppen und Säfte brauchen. Die gute Idee von Andreas, eine Saftmaschine zu kaufen, habe ich sofort am 2. Tag umgesetzt mit Einkauf des dazugehörigen Obstes. Fasten und vollbepackt vom Einkaufen klingt ist paradox, ist jedoch unumgänglich, wenn man wirklich frische Säfte und Suppen zu sich nehmen will.
Wir entscheiden uns immer lieber zum Fasten als zu sonstigen Diäten, weil wir dadurch kein Hungergefühl haben und eine schnelle Gewichtsabnahme. Da ticken wir beide gleich: ungeduldig und verfressen. Doch durch den leeren Darm ist auch das Hungergefühl weg, Wir fühlen uns schon viel besser. Das Schuheanziehen geht schon ohne Luftanhalten bis man blau anläuft, die Hosen sitzen schon ein wenig besser. Nicht lockerer, sondern sie beginnen passend zu werden.
Um den Stoffwechsel anzukurbeln, werden wir heute mit Sport beginnen. Ich hoffe, zusammen können wir Günther, unseren Schweinehund, überzeugen. Günther hindert uns schon seit einer Woche daran. Morgens frage ich: „Gehen wir zum Gym?“ Immerhin sind wir seit 2,5 Jahren passives Mitglied. Schweinehund Günther von Andreas antwortet: „Mach mal langsam. Erst mal Kaffee trinken, Morgenshischa und dann schauen wir mal.“ Mein Schweinehund nickt und schon sitzen wir auf dem Balkon. Die Sonne kommt hervor und in der Wärme liegen beide Schweinehunde einvernehmlich und dösen vor sich hin, immer auf der Lauer, falls doch noch einer auf dumme Gedanken kommt.
Wenn wir uns dann abends zurecht machen, um in die Stadt zu fahren, kommt Andreas auf die glorreiche Idee, vorher zum Sport zu gehen. Mein Schweinehund antwortet: „Jetzt? Ich bin gerade frisch geschminkt und geduscht! Nein, das ist eine schlechte Idee.“ Die getuschten Wimpern von Günther klimpern. Heute werden wir nach Morgenkaffee und Shisha losziehen und uns unseren ersten Muskelkater holen und damit den Stoffwechsel ankurbeln – hoffentlich

Mythos Fasten

Wirkt eine Fastenkur gegen lästige Pfunde?

Das Fasten hat eine Jahrtausende alte Tradition. Schon immer haben Menschen aus religiösen oder spirituellen Gründen gefastet, also auf Genuss- oder Nahrungsmittel eine bestimmte Zeit lang verzichtet. In der westlichen Welt dient das Fasten inzwischen mehr dazu, das körperliche Wohlbefinden zu steigern oder auch schlicht ein paar Kilogramm abzunehmen. Doch der freiwillige Verzicht auf feste Nahrung und Genussmittel macht nur dann auf Dauer schlank, wenn man seine Fastenerlebnisse dazu nutzt, seine Essgewohnheiten umzustellen.

Quelle: http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/sendung/2012/mythos-fasten-100.html

Genau das habe ich ende der 90er zum ersten Mal in einer Gruppe begonnen. Die Gruppenleiterin war eine – Frisörin! Wir trafen uns täglich nach den offiziellen Öffnungszeiten, meditierten, erfuhren, was in unserem Körper passiert und bekamen den nötigen Motivationsstoß, die nächsten 24 Stunden durchzuhalten. Zumindest hat mich diese Erfahrung so beeinflusst, dass ich die Fastenzeit, seit ich in Ägypten lebe, auch wieder mache. Natürlich auch angespornt durch den muslimischen Ramadan, den man hier hautnah miterleben kann. Egal, wie man dem Glauben gegenübersteht; Fakt ist, dass jeder Muslim die Zeiten und die Durchführung des muslimischen Fastens kennt und gefühlt über 90% mitmachen. Natürlich spielt der Gruppendruck auch da eine große Rolle. Doch ich kann mich nicht erinnern, dass ich in Deutschland erlebt hätte, wie durch die Kirche die Fastenzeit vor Ostern und Weihnachten durchgesetzt wurde. Die Ägypter erklären mir, dass diese Fastenzeit, auch mit Verzicht auf Flüssigkeit, einerseits den Körper trainiert, in der Wüste mit wenig Wasser zurecht zu kommen, und man selbst ein großes Glücksgefühl bekommt, wenn man diese Fastenzeit konsequent durchhält.

Genau das ist auch der Grund, warum ich immer wieder Faste: Einerseits glaube ich daran, dass unser Körper leider immer noch in der Steinzeit stehengeblieben ist, weil er ja Fettdepots ansammelt und ich ihm die Möglichkeit geben möchte, diese auch einmal zu Nutzen; andererseits möchte ich sehen, in wie weit ich den Willen aufbringe, auf Nahrungszufuhr zu verzichten. Da unsere Kalorienbilanz IMMER im Plus ist, versuchen wir diese übers Jahr damit auszugleichen. Zum Vergleich:

Ein Student, der das ganze Jahr wenig Einkommen hat, malocht in den Semesterferien, damit ist für die restlichen 10 Monate reicht.

Da es immer wieder spannend ist, führe ich Tagebuch!

Gute Vorsätze

Oh ja, wir haben wie jedes Jahr gute Vorsätze fürs Neue! Die Klassiker: gesünder Essen, mehr Bewegung. Lassen wir das Essen mal beiseite, denn Weißwürste, Speck und Spätzle sind dafür nicht representativ. Doch ich bin ganz stolz, dass ich tatsächlich bereits am 5. Tag des neuen Jahres mich das erste mal überdurchschnittlich viel bewegt habe. Wer uns kennt weiß, das unsere Durchschnittsbewegung sich auf Wege zwischen Balkon (zum Rauchen) Kühlschrank (Essen) und Wohnzimmer (fernsehen) beschränken und bereits das Treppensteigen einem Halbmarathon gleich kommt.

Letzte Woche habe ich eine Bekannte in El Gouna besucht und bei ihr Inliner entdeckt. „Wo fährst du?“, war meine spontane Frage, denn seit drei Jahren suche ich für meine eine Strecke. Der Gute Wille war da, denn ich dachte, Sahl hasheesh wäre dafür geeignet. Leider hat es mich auf einer Strecke von 2,5 KM zweimal niedergestreckt, so dass ich einen blauen Oberschenkel hatte und seit dem nicht mehr gefahren bin. Auch dort sind immer wieder die Straßen offen oder durch einen Bump für Inlinerfahrer mit meinen Kenntnissen unüberwindbare Hindernisse.

„Hier ist ein Parcour, der dauert eine halbe Stunde!“ Sie deutet auf den Golfplatz, der mit einem kleinen Weg durchzogen ist. Das ist es. Und heute habe war es dann soweit!

Erst einmal die Ausrüstung zusammen suchen. Von den Inlinern wußte ich, dass sie in einem Koffer verstaut waren. Nach der Anfangseuphorie habe ich ja drei Paar gekauft und mit nach Ägypten genommen. Doch wo sind meine Knie- und Ellenbogenschoner? Nur die für Kinder sind in dem Koffer dabei. Ich räume den ganzen Schrank mit den Sportsachen aus: Tischtennisschläger, Beachtennisbälle, Flossen und Schnorchel und auch so ein Bauchmuskeltrainer auf Elektroschokbasis ist dabei. Aber keine Schutzausrüstung. So werde ich mich wohl in die Kinderausrüstung quälen müssen. Schnürt nur ein bisschen die Venen ab, aber was solls. Los geht es mit dem Auto, da es ja doch 15 KM zu fahren ist. Ein Fahrrad wäre für diese Sache passender, doch ich habe keines. Vielleicht doch eines kaufen?

Ich parke das Auto, ziehe die Knieschoner hoch und stecke die Klettverschlüsse oben rein, denn die sind zu kurz für mein Knie. Beim Ellenbogen- und Handschoner ist es das selbe. Jetzt laufe ich über die Sanddüne hinab zum asphaltierten Weg und setze mich zum Schuhwechseln in das Gras. Plums – und fast genauso schnell wäre ich, wenn ich könnte, wieder hochgesprungen! Das so weich aussehende Gras entpuppt sich als eingewachsenes Stroh was sich wie Nadeln durch meine dünne Hose bohrt und dort wie Tannennadeln pickst. Egal, jetzt sitze ich und zieh die Dinger an.

Wacklig stehe ich auf und bewege mich vorsichtig vorwärts. Mit 40 Jahren habe ich mit den Inlinern begonnen, als ich wiedermal 3 Monate meinen Führerschein abgeben musste. Ich war wirklich fitt und konnte auch über kleine Hindernisse springen. Im Bayrischen Wald war es dann unmöglich zu fahren, wegen den steilen Bergen und in Ägypten bin ich auch nur zwei Mal gefahren, vor drei Jahren. Es ist wie Fahrradfahren, man verlernt es nicht doch ich bin extrem unsicher und wackelig. Aber es geht vorwärts und freue mich. Ich bin wohl ziemlich verkrampft, denn bereits nach den ersten Metern beginnen meine Füße zu schmerzen. Es geht ganz leicht bergauf, doch wenn ich jetzt stehen bleibe, rolle ich rückwärts, und das kann ich nicht. Also weiter Ausfallschritt. Wo es bergauf geht, geht es natürlicherweise auch mal wieder runter. Normalerweise ist das zum entspannen, doch in diesem Falle macht mir das wirklich leitchte Gefälle schon Angst, das Gleichgewicht zu verlieren. Ich versuche zu bremsen, doch wo sind die Bremsen???? Ich wage es, ein Bein quer hinter zu stellen, um langsamer zu werden. Bei dem leichten Gefälle wird man nicht langsamer, sondern bleibt stehen. Diese Gelegenheit nutze ich, meine Bremsklötze an den Inlinern zu suchen. Vielleicht sind sich ausnahmsweise links? Nichts! Rechts? Ja – da ist einer! Wohl schon so abgefahren, dass ich wirklich stark in die Knie gehen muss um damit zu bremsen. Gut, ich starte wieder. Es geht wieder bergauf, was so ohne Schwung echt anstrengend ist. Das ganze erinnert mich jetzt an unsere Langlaufrunden. Da war ich auch ein hoffnungsloser Fall. Bergauf ging nicht, weil mir die Kondition fehlte, bergab ging nicht, weil ich nicht bremsen und lenken konnte. Geschafft, ich bin oben schon kommt eine neue Herausforderung: eine Kurve in der Abfahrt, die an einen U-Turn erinnert! Nein, mit dem Übersetzungsschritt traue ich mich noch nicht in die Kurve. Also langsamer werden und schön paralell die Beine um die Kurve zu bekommen. Geschafft.

Der Schlittschuhschritt geht jetzt schon fließend und die Schmerzen lassen nach. Ich fahre wohl entspannter. Weiter schaue ich jedoch auf die Strecke wie ein Luchs. Und was entdecken meine Adleraugen? Eine Art Gullideckel über die komplette Wegbreite. Also ein Ablaufgitter. Ich möchte nicht testen, ob meine Rollen breiter sind als die Gitterabstände. Also blitzschnell entscheiden: Anhalten und drübersteigen oder langsam im Fahren mit Schlittschuhschritt drübergleiten. Ich entscheide mich fürs fahrende überschreiten. Und – es klappt!

Lange kann ich mich nicht über meinen kleinen Teilerfolg freuen, als die nächste, schier unüberwindbare Hürde kommt: Abfahrt mit anschließendem Berg(chen) wo in der Talmulde Sand liegt, bis etwa ein drittel der Auffahrt. Ich bleibe stehen, um einen Plan zu machen. Da es sich anscheinend um getrockneten Sand handelt, der ziemlich fest erscheint, denke ich, das Beste ist, mit dem Schwung der Abfahrt einfach drüberzurollen und dann den Rest mit V Schritt nach oben zu kommen. Ich versuche es. Abfahrt Schwung holen und dann rollen lassen. Beim durchrollen merke ich, dass der Sand nicht fest ist, sondern lose auf dem Belag ist. Keine Chance, darauf anzufahren. Ich muss einfach hoffen, dass der Schwung mich über die Stelle hinaus bringt. Es klappt.

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Und siehe da, ich komme an die Stelle, wo meine Schuhe auf mich warten. In 14 Minuten bin ich die Runde gefahren, ich denke es sind zwischen 3 und 4 KM gewesen.

Fazit:

Dieser Parkur (es ist nur die Hälfte gewesen, um auf die andere Seite zu gelangen, muss man eine Sandstraße überqueren, das beim nächsten mal!)ist hervorragend für Inlinerfahren geeignet. Wer routiniert ist, schafft die Runde denke ich in 10 Minuten, da man eigentlich überhaupt nicht bremsen muss, außer man ist so ein Hosenschisser wie ich. Doch wenn ich noch ein paarmal fahre, klappt es wieder wie zu alten Zeiten! Übrigens: Auch für jogger ist der Weg toll. Ich habe keine Ahnung, ob der Golfplatz in Betrieb ist, doch wenn man in El Gouna Richtung Abu Tig Marina fährt und dann Richtung Tawilla, dann ist er nicht zu übersehen. Vielleicht finden sich ja noch ein paar Menschen, die mitmachen!! Würde mich freuen!

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