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Die Weißwurst in Ägypten

Wie die Weißwurst nach Ägypten kam, wo alles begann und warum wir seit 6 Jahren diesen Brauch hier pflegen, das war sogar schon Thema bei Antenne Bayern gewesen. Deshalb wird es Zeit, darüber auch mal in eigener Sache ausführlich darüber zu berichten!

Wie alles begann

 

Bereits 2011 hatten wir unsere Wohnung in Hurghada gekauft. Immer, wenn es das Zeitfenster zuließ, packten wir unsere Sachen und verbrachten unsere freien Tage in Ägypten. Das praktische: Wir mussten nicht viel mitnehmen, da unsere Kleidung bereits vor Ort war.

Wenn man hier lebt, vermisst man eine Sache ganz schnell: das deutsche Essen. Natürlich zählen dazu auch die guten Wurst und bayrische Spezialitäten. Besonders wenn wir wiedermal bei Bertls Weißwurststammtisch in Zwiesel eingeladen waren, dort, wo auch der Weißwurstäquator entlang läuft. Bei seinen Stammtischen in Niederbayern kam uns damals die Idee: Für gute Freunde in

Ägypten haben wir „Leckerlies“ aus Deutschland eingepackt, uns mit diesen getroffen und Bayern nach Ägypten gebracht. Wir haben die Weißwürste und den Senf spendiert, Thomas Huth hatte im damaligen Steigenberger Al Dau Club den Platz, die Getränke und die Brezen spendiert. Das Ganze fand damals noch im kleinen Kreis der besten Freunde statt. Doch von Mal zu Mal wurde die Runde größer und  auf einmal waren  auch Freunde von Freunden dabei. Dann war es an der Zeit, sich etwas anderes einfallen zu lassen.

Wo ist eine würdige Location?

Die bayrischen Farben Weiß und Blau finden sich natürlich in Ägypten wieder: Das türkise Meer mit den weißen Schaumkronen, der strahlendblaue Himmel mit den weißen Wolken. Unter den deutschen Residenten gab und gibt es einen Geheimtipp, wo man sich trifft: die Caribbean Bar im Hotel Bella Vista.

Auf Stelzen ist diese Location auf das Rote Meer gebaut worden und spontan dachten wir: Dies ist einem Weißwurststammtisch würdig. Cello Lauck, der Manager dieser Bar, war von unserer Idee begeistert und so starteten wir einen Aufruf in Facebook: „Wer möchte unter ägyptischen Sonne bayrische Weißwürste genießen?“ Und siehe da! Ganz schnell waren 70 Personen verbindlich angemeldet, die den deutschen Brauch, Weißwurst vor 12.00 Uhr mittags essen, mit uns pflegen wollten. Wir waren begeistert.

Im Februar 2012 war es dann soweit, der erste Stammtisch wurde vorbereitet.  Es war toll zu sehen, wie man aus einer Strandbar eine Weißwurstbar zauberte. Eine große bayrische Fahne und kleine Tischfahnen hat unser großes Vorbild Bertl gesponsert. Um Stilecht zu bleiben, haben wir bei Ebay sogar das König Ludwig Weißwurstservice ersteigert!

Auch wenn das Wetter noch etwas kalt war, auch in Ägypten gibt es Winter, so zieht man einen dicken Pulli an und Heizpilze werden aufgestellt.

Wir freuten uns, dass Thomas Huth den bayrischen Wimpel, unser Symbol für den Weißwurststammtisch,  an Cello weitergereicht hatte. Dieser wird seit dem immer an unserem Tisch aufgestellt.

Highlights

Sechs Jahre Weißwurststammtisch Zwieseler Winkel Aussenstelle Hurghada birgt einige tolle Erinnerungen. Immerhin mussten inzwischen über 2000 Weißwürste und 70 Kilogramm Weiwurstsenf nach Afrika gebracht werden. Ich kann mich noch gut erinnern, als wir das erste Mal recherchierten, ob man überhaupt Weißwürste einführen darf!

Das Internet ist ein bisschen widersprüchlich: Einerseits sind bei verbotenen Gegenständen nur Fleisch und Schweinefett erwähnt, andererseits ist bei erlaubten Gegenständen Schweinefleisch ausgeschlossen. „Weißwurst ist doch aus Kalb!“, wollte Andreas argumentieren. „Klar, deshalb steht überall auf dem Etikett Schweinefleisch!“ Egal, wir nehmen aus Deutschland, wenn es unser Freigepäck zulässt, immer zwischen 100 und 150 Weißwürste mit, müssen diese auch bei der Einreise zeigen, doch bisher hat uns noch nie jemand diese weggenommen. Andreas zeigt immer auf seinen Bauch und meint: „All i can eat!“ oder: „Kersh kibir!“ was dicker Bauch bedeutet.

 

Ursprünglich war geplant, dass unsere Auswanderung für Goodbye Deutschland aufgezeichnet werden sollte, doch leider konnten wir erst 2013 unseren Traum verwirklichen, und das dauerte VOX zu lange.  Trotzdem wurde der zweite Weißwurststammtisch im August 2012 von den Kameraleuten begleitet und dann bei RTL ausgestrahlt.

Extra für Hurghada wurden Weißwurst-Shirts angefertigt und natürlich haben wir uns auch sofort mit der Weißwurst Armbanduhr geschmückt, als wir diese zum Kauf angeboten bekamen.

 

Und am meisten begeistert uns, dass es viele Auswanderer gibt, die hier in Ägypten bayrische Tracht hängen haben! Ein bisschen Modenschau ist immer dabei.

Ende letzten Jahres wurde Andreas von einer fremden Telefonnummer regelrecht verfolgt. Als seine Neugier dann doch zu groß wurde, nahm er das Telefonat mit ausländischer Vorwahl an. „Hallo, hier ist Antenne Bayern. Wir haben recherchiert und gelesen, dass ihr in Ägypten regelmäßig einen Weißwurststammtisch macht! Morgen ist Tag der Weißwurst und wir würden gerne darüber berichten.“ Rums, sogar bis zum Radio eilt unser Stammtisch.

 

Der Weißwurststammtisch heute

 

Viel hat sich nicht verändert: Wir sind wieder in der Caribbean Bar, hängen weiter die Fahne auf und auf den Tischen sind immer noch die bayrischen Fahnen. Der Wimpel ziert unseren Tisch doch Andreas raucht inzwischen seine Shisha dazu. Aus den Tischdecken sind Tischsets geworden, heute verteilt nicht mehr Cello sondern Petra Herold und manchmal passen wir in unsere Tracht, manchmal nicht. Der große Weißwurst Topf ist immer noch voll nur das Wasser ist manchmal heißer, so dass wir manchmal „Mädeln“ (geplatzte Würste) ausgeben mussten. Weißbier wird nicht mehr so viel in Ägypten hergestellt, so dass wir meist Stella trinken und da die Gläser mit Senf nicht so gut zu transportieren sind, besorgen wir Händlmeier Portionssenf.

Und die Gäste? Schaut genau hin, auch die sind teilweise seit dem ersten Stammtisch treu.

Zwei- bis dreimal im Jahr pflegen wir diesen Brauch. Und wenn ihr das nächste Mal auch dabei sein wollt, dann meldet euch bei uns in FB.  Wir freuen uns jetzt schon auf den 15. Weißwurststammtisch!

150 Interviews – Rückblick, Einblick, Durchblick?

„Wie sieht denn so ein Arbeitstag bei euch aus?“, fragte mich ein Moderator im live Interview. Ich muss schmunzeln, denn natürlich entspricht der „Arbeitstag“ für Sonnenklar.TV ziemlich dem Klischee, das man sich vorstellt. Dazu muss man wissen, dass dies nicht unsere „Arbeit“ ist, sondern wir diese Interviews aus drei Gründen machen:

  1. Wir haben die Möglichkeit, über Land, Leute, Menschen und Hotels zu informieren und diese kennen zu lernen;
  2. Wir geben diese Eindrücke gerne über die Kamera weiter, weil wir unsere Wahlheimat lieben und diese gerne bewerben;
  3. Weil wir Spaß daran haben!
Erster Studioauftritt Februar 2016

Wir hatten keine wirkliche Ahnung, auf was wir uns eingelassen hatten, als wir unserem Freund Andreas Lambeck (GF Sonnenklar.TV) die Zusage gaben, für Ägypten Liveübertragungen nach München zu machen. Auch wenn diese Aufgabe nicht unseren Lebensunterhalt finanziert, nehmen wir sie ernst denn wir arbeiten nach dem Motto: Wenn du etwas machst, mache es gut!

So haben wir auch alle Skeptiker überzeugt! Wir begannen unsere Interviews im Februar 2016 via Skype mit Iphone. Im Herbst bekamen wir die Einladung nach München, um diese Kamera erklärt zu bekommen. Oh, das fühlte sich an wie eine Beförderung!

Aus den anfänglichen zwei bis drei Liveschaltungen in der Woche sind jetzt inzwischen sechs bis zehn geworden. Im August 2017 haben wir unser erstes kleines Jubiläum – die 150. Liveübertragung mit unserer Kamera in 30 Hotels aus Ägypten, Malta, Agadir und den Vereinigten Arabischen Emiraten! Und nach 150 mal Auf- und Abbau, Internet- und Platzsuche hoffen wir, alle möglichen Pannen einmal erlebt zu haben und für die Zukunft gewappnet zu sein.

Einsatz bitte

Abends zwischen 17.00 Uhr und 19.00 Uhr bekommen wir eine Mail mit unserem geplanten Einsatz am nächsten Tag. Wir haben die Freiheit als Freelancer, zu akzeptieren oder abzusagen, ein Privileg, was uns wichtig ist. Kennen wir das Hotel, ist alles relativ einfach:

  • Wir informieren den Ansprechpartner
  • Wir sind eine Stunde vor Liveinterview vor Ort.

Ist es nicht eines der inzwischen 25 bekannten Hotels, brauchen wir

  • Den Namen des Ansprechpartners
  • Mindestens zwei Stunden Vorlaufzeit
  • Eine offizielle Anmeldung über Meetingpoint.

In jedem Hotel bereitet unsere Anmeldung Stress, denn die Info: „Morgen kommt jemand von Sonnenklar und macht ein Liveinterview.“, lässt viel Spielraum. Wer wird interviewt? Was wird gezeigt? Welche Vorbereitungen müssen getroffen werden? Das alles klären wir gerne vor Ort.

Im Hotel

In den meisten Fällen werden wir sehr gastfreundlich begrüßt. Inzwischen wissen wir auch, dass wir vor 10.00 Uhr keinen Ansprechpartner antreffen, da das Management um 9.00 Uhr mit einem Meeting beginnt.

In der Regel reicht es uns aus, wenn wir uns selbst ein Bild von der Anlage machen und diese Fragen noch beantwortet bekommen. Wir wollen das Hotel ja aus Gästesicht kennenlernen. Um 8.30 Uhr erreichen wir das Hotel. An der Rezeption stelle ich mich vor und werde prompt gebeten, Platz zu nehmen und zu warten, bis das Meeting vorbei ist. Habe ich schon einmal gesagt, dass Geduld nicht meine Stärke ist? Ich habe eine Stunde Zeit, um mir die Anlage anzusehen, das ist nicht viel. Ich versuche dem Mitarbeiter zu erklären, dass ich statt zu warten, mir schon einmal ein bisschen was ansehe. Nein, das möchte er nicht. OK, dann Trick 17: „Wo ist bitte die Toilette?“ Meine Kameraausrüstung lasse ich als Pfand an der Rezeption, wichtigstes Utensil ist jetzt das Handy. Ich gehe los und schaue mir das Restaurant an, in dem gerade Frühstückszeit ist. Ich schieße ein paar Bilder. Draußen sehe ich schon die erste Poollandschaft und einen hektischen Rezeptionisten, der den Braten gerochen hat und mich sucht. Böses Mädchen – zurück in die Stille Ecke namens Lobby!

Na gut, hier schnappe ich mir eine braun gebrannte Familie, die bestimmt schon ein paar Tage hier sind. „Wie gefällt Ihnen das Hotel?“, stürze ich direkt mit der Tür ins Haus. Punktlandung: zufriedene Gäste, die gerade auf den Shuttle zum Flughafen warten. Ich bekomme einige meiner Fragen beantwortet.

Noch schnell einen Blick in die Lobbybar und an den Computer daneben, an dem man die Reservierung für die a la carte Restaurants macht. Jetzt kommt eine deutschsprachige Gästebetreuung auf mich zu und ich bekomme meine letzten, nötigen Infos.

Manchmal gibt es auch interne Richtlinien, die besagen, dass wir nur mit Genehmigung der Hauptzentrale drehen, und somit Werbung machen dürfen. Leider klappt das nicht mit der kurzen Vorlaufzeit, da diese Genehmigung zwei Tage dauert.

Doch zu 99 Prozent setzen wir uns mit dem Management und/oder Gästebetreuung zusammen und klären die anfallenden Fragen und bekommen dann im Gegenzug die Informationen, die uns wichtig sind:

  • Was ist das Besondere an dem Hotel
  • Was können wir erzählen, was nicht im Werbefilm gezeigt wird,
  • Wo sind die schönsten Plätze?

Wenn nach dem Gespräch noch Zeit ist, dann machen wir noch eine Besichtigung des Hotels, wenn nicht, holen wir das später nach. Oft werden wir dann zum Essen eingeladen oder sogar ein Day-Use angeboten. Doch solche Angebote nehmen wir erst an, wenn wir uns durch viele Einsätze schon als Mitarbeiter des Hotels fühlen.

Der Kamera Aufbau und die Tücken

 

Ach, waren das noch Zeiten, als wir einfach mit Handy uns hingestellt haben und loslegten. Die Kamera wiegt 8 KG, das Stativ 5 Kilo. Da wir einen schönen Blick für die Gäste brauchen, gehen wir meist Richtung Pool und Strand, ohne Schatten. Bis wir also den ersten Punkt erreicht haben, sind wir schon nass geschwitzt. Für dem Aufbau selbst sind wir schon routiniert. Andreas schafft es sogar innerhalb von drei Minuten! Doch lieber machen wir es in Ruhe und ohne Stress.

Die Technik für die Übertragung sieht wie folgt aus: Die Kamera, mit der via Internet das Bild nach München live übertragen wird, ein Handy, über das wir die Regieanweisung und Moderation hören können.

Also schweißgebadet haben wir unseren ausgewählten Punkt erreicht. Andreas liebt es am Wasser oder an einem hohen Punkt, meine Vorlieben gelten dem Wellnessbereich oder Restaurants. Wir bauen auf.

Lichtverhältnis: wie beim Fotografieren, immer mit der Sonne.

Schlecht für meine Frisur, denn der Wind kommt meist entgegengesetzt.

Bild: Wir müssen rechts im Bild stehen mit wenig Kopffreiheit und nach unten Platz. Neben uns sieht man den Moderator oder Werbeeinblendungen, unter uns läuft ein Banner über das Produkt. Nicht zu nah, nicht zu fern.

Jetzt alles gut. Wir stecken den Internetstick rein. Drei Punkte die aufleuchten müssen, dauerhaft. Wie ein kleines Kind, welches auf das Christkind wartet, beobachten wir die Leuchten. Erst eins, dann zwei dann drei! Kein Blinken wie bei einer Diskothek. Jetzt wird die Kameraeinstellung soweit voreingestellt, dass wir nur noch auf „live“ drücken müssen, wenn München anruft.

Wir werden leicht nervös. Nein, nicht wegen Lampenfieber – wir sind meistens 30 Minuten vor dem Einsatz startklar, damit wir noch ein bisschen versteckte Kamera spielen können, falls München keinen Empfang bekommt. Ich zünde mir eine Zigarette an. 15 Minuten vor geplanter Schaltung. Wir wollen einmal die Gelassenheit von München haben. Zu Beginn habe ich dann auf Live gedrückt um München auf uns aufmerksam zu machen. Da habe ich dann sofort einen Anruf bekomme! „Mach live aus, Ali aus der Türkei ist noch dran und du hast ihn jetzt rausgeschmissen!“ Huch, ein wenig lustig finde ich die Vorstellung schon, wenn Ali gerade über die Türkei erzählt und die liebe Astrid dann ganz nervös zu sehen ist, die sich darüber aufregt, dass keiner anruft. Seit dem wir das wissen, schauen wir immer erst ins Programm um sicher zu sein, dass niemand anderes gerade live ist.

Doch wenn es 5 vor Schalttermin ist, machen wir an. Schlecht ist dann, wenn München anruft und bittet, jetzt die Kamera anzuschalten. Dann wissen wir, unser kleiner Gau startet jetzt:

Kamera aus, Kamera an, Kamera an einen anderen Platz stellen. Manchmal sind es wirklich nur 5 Meter weiter weg und wir haben Bild. Wenn nicht, dann kommt ganzes Repertoire:

  • Stick wechseln
  • Simkarte wechseln
  • WLAN testen

Da ist die Münchner Gelassenheit dann von Vorteil: niemand schimpft, niemand macht einen noch zusätzlich nervös. Man nimmt ein anderes Produkt nach vorne, damit wir 5 Minuten gewinnen. Ein Lob auf die Flexibilität der Moderatoren und der Technik mit Regie. Zu 99 Prozent klappt es auf den letzten Drücker, dass wir das erlösende Wort hören: „Bild!“

Doch zu diesen Macken mit unserem Internet schleichen sich jetzt noch weitere Varianten ein:

Bild und Ton bei Kamera gut, Handyempfang nur ET mäßig

Meist ist das Phänomen nur einseitig, also wir hören nichts oder München hört nichts. München hört uns noch zusätzlich über das Micro, also nicht schlimm. Aber wenn wir nichts verstehen, dann können wir nur ahnen, was gefragt wird. Das ist dann der Startschuss für einen Monolog. Wir lassen dem Moderator keine Chance, nachzufragen. Manchmal ist die Zeitverzögerung so lange, dass wir denken, wir hätten keine Telefonverbindung. Das ist dann blöd. Erst warten wir, dann fallen wir uns gegenseitig ins Wort.

Wir haben es auch schon geschafft, dass wir das Handy zu stark in der Sonne hatten, so dass es wegen Überhitzung ausgegangen ist.

Bild und Handy gut, der Ton knackt im Micro

Das war ein neues Thema, wir kamen nur noch abgehackt in der Sendung an. Tatsächlich verschleißt auch die Hardware, wir hatten einen Kabelbruch. Und was soll ich euch sagen? Es gibt so etwas in Hurghada zu kaufen!

Alles gut!

Vielleicht kann man jetzt ein bisschen verstehen, warum wir uns freuen wie ein kleines Kind auf dem Rummel, wenn alles passt. Dann wird man auch mal übermütig und versucht die Möglichkeiten der Kamera auszuschöpfen: ich zoome und schwenke zu den Punkten, was Andreas gerade erklärt. Bingo! Das hält unser Internet nicht aus!! Also zoomen ist Tabu, wenn wir stabiles Netz haben, können wir den Zuschauern einen Rund-Um-Blick gönnen.

 

Es ist LIVE

 

Nach einem halben Jahr Übung behaupten wir, dass wir jetzt die Technik beherrschen, nicht mehr anders herum. Wir sind ausgestatten mit allem, was wir brauchen und können Simkarten im Zeitraffer wechseln.

Wir bereiten uns auch immer noch vor, doch inzwischen kennen wir über 30 Hotels und manchmal passiert es dann, dass Astrids Märchenstunde kommt.

„Wie ist denn das Frühstück dort?“ Ich überlege kurz und fange zu Schwärmen an: „Sagenhaft! Ich habe noch nie ein so gutes Frühstück gehabt mit Sekt und Lachs!“

Als ich mich nach dem Interview an der Rezeption verabschiede schaut mich der Manager an und spricht in akzentfreiem Deutsch: „Wir haben keinen Lachs am Frühstücksbüffet!“ Ich überlege kurz – war das bei einem anderen Hotel? Ich grinse ihn an: „Ab jetzt schon – vielleicht an Weihnachten?“

oder

„Sie können bei Buchung des Foodpasses alle a la Card Restaurants mitnutzen!“ Dies galt leider nicht für Makadi Garden. Na, wenn ich wieder einmal ein bisschen mehr in das Angebot packe, dann versucht Andreas das beim nächsten Interview zu relativieren. Wir können ja auch einen Wettbewerb daraus machen:

Wer findet heraus, was bei dem Angebot nicht stimmt?

 

Ein Knaller passierte mir im Steigenberger el Gouna: „Sie können den Strand vom Paradisio kostenlos mit nutzen, doch der Strand beim Steigenberger ist auch schön!“ Leider liegt das Steigenberger nicht am Meer.

Andreas liebt es von oben zu drehen. Er wählte deshalb den Aussichtsturm vom Steigenberger El Gouna zu filmen. Dort oben windete es ziemlich.  Die Übertragung beginnt und die Kamera beginnt, zu schwenken und die Position von  Andreas ist nicht mehr optimal. Der Mann im Ohr sagt: „Andreas, weiter rechts!“ Andreas geht weiter rechts, die Kamera schwenkt weiter, Jetzt wird die Regie ungeduldig: „Andreas, Astrid soll aufhören, die Kamera zu schwenken!“ Doch Astrid ist gar nicht da, der Wind hatte die Kamera bewegt!

An das erste Interview, bei dem auch Herr Kachelmann dabei war, bleibt mir auch in Erinnerung:

Ich stehe in der prallen Sonne und schwitze. Das Wetterapp sagt 32 Grad im Schatten. Ich höre bereits die Sendung übers Handy. Die Sprache ist über das kalte Wetter in Deutschland und die Moderation fragt Jürgen Kachelmann: „Wir gehen jetzt nach Ägypten, wo das Wetter besser ist. Was haben wir da für Temperaturen?“

„Etwa 23 Grad!“

Ich dachte, ich habe mich verhört oder er hat einen Zahlendreher drin, Natürlich frage ich das direkt nach der Begrüßung. „Mich interessiert jetzt schon, warum meine Wetterapp 32 Grad sagt, ich mich in der Sonne wie bei 50 Grad fühle und Herr Kachelmann die Temperatur mit 23 Grad angibt. Haben wir ein falsches Thermometer?“ Wenn ich gewusst hätte, welche Meteorologische Lawine ich mit dieser Frage auslöse, hätte ich sie gelassen. Er erklärte, erklärte, erklärte und unsere kostbare Zeit geht für das Produkt verloren. Also denke ich mir, zeige ich den Menschen neben der fachmännischen Erläuterung, wie in Deutschland ordentlich gemessen wird, die Umgebung und mache einen Schwenk. Dabei bin ich aus dem Bild gegangen. „Wo ist denn jetzt die Dame, der ich das erkläre? Der Kameramann sucht sie auch schon!“ Jetzt kommt noch die Zeitverzögerung dazu, so dass ich mich erst später bemerkbar machen konnte, dass ich einen Schwenk mache, während er einen Schwank erzählt.

Ich fand es auch sehr nett von einer Moderatorin, die uns dezent auf unsere Figur hinwies: „Wie wäre es mal mit Fitness? Wir meinen es nur gut, damit ihr wieder Bikini- und Badehosenfigur bekommt!“ Da bist du schon erst mal sprachlos. Besonders wenn du dann am nächsten Tag gefragt wirst: „Wie ist denn das Kulinarische dort? Habt ihr was gegessen?“ Da konnte ich nur antworten: „Nein, wir testen nicht mehr, wir sind laut Kollegin zu fett!“

Andreas steht parat im Labranda Royal und hört entsetzt, wie im Trailer das Citadelle in Sahl Hasheesh anmoderiert wird.

„Hallo Andreas, ich gehe davon aus, das du im Citadelle bist, wo denn genau!“

„Da muss ich dich leider enttäuschen, ich stehe zwar am Roten Meer, aber nicht in Sahl Hasheesh!“

Bevor wir auf Sendung gehen, wird uns ins Ohr geflüstert, wer moderiert, da wir unser Gegenüber ja nicht sehen. Dumm ist dann, wenn ich mitten in der Sendung zu Ulf „Goofi!“ sage. Er war schlagfertig und antwortete: „Klar Bettina!“

Auf jeden Fall haben wir viel Spaß an unserem Job und freuen uns, das auf Grund unseres instabilen Internets das Portfolio der Angebotspräsentation wieder erweitert wird: Facebook live!

Ferngesteuerte Urlaubs Checker.

Live können die Zuschauer Fragen stellen und beantwortet bekommen! Unser neues Format, FB live in der Sendung live zu übertragen, hat auch seine Tücken. Die Internetverbindung brach genau zur Anmoderation zusammen. Ich musste entscheiden: Warten, ob sie sich wieder fängt, oder schnell abbrechen und neu starten. Ich entschied mich für Letzteres. Doch leider vergaß ich in der Hektik, dass wenn ich starte, dass das Format bleibt, also das Bild nicht umschwenkt. Ich startete im Längsformat und die Assistentin nahm mein Handy ins Querformat, so dass die ganze Anmoderation auf der Seite stand. Auch ich verstand die Regieanweisung nicht sofort: „Kamera drehen!“ Ich hatte doch die Vorderbildkamera an!

Es ist uns schon vieles passiert, nur ein Lachflash wie bei Kai Pätzmann, der fehlt noch!

Aber wir haben ja noch Zeit! Wir freuen uns auf die nächsten 150 Schalten und sind gespannt, was Technik, Regie oder Moderation noch für Überraschungen bringt! Hier ein Beispiel für FB Live Sheraton Miramar: https://www.youtube.com/watch?v=hkvig7KuJs0

Schön, mit einem so dynamischen Unternehmen zusammen arbeiten zu dürfen – danke!

 

Marokko -eine Reise wert

Eigentlich ist es vorprogrammiert, dass wenn einer von uns verreist, etwas passiert. Deshalb war es nur die Ruhe vor dem Sturm, dass Andreas begeistert Bilder schickte, von der tollen Egyptmaschine, die ihn erst von Hurghada nach Cairo, dann nach Casablanka bringt. Von dort aus muss er seine Koffer holen und bei Royal Air neu einchecken für den Inlandsflug nach Agadir.

Für die Kofferabholung und Check in war genügend Zeit eingeplant – 5 Stunden. Doch wer hat es schon einmal erlebt, wenn man am Kofferband steht und die Menschen darum herum werden weniger und weniger und weniger und zum Schluss steht man da und merkt: „Hallo, wo ist mein Koffer?“ So war es in Casablanca. Andreas war nicht alleine, sondern mit ihm noch 6 Leidensgenossen. Sie starrten alle auf das Band, wo immer wieder 7 Koffer an ihnen vorbeiglitten, doch niemand erkannte seinen. Nach einer Stunde war es amtlich: die fehlenden sieben Koffer stehen in Cairo, dafür sind sieben andere Koffer jetzt in Casablanca.

Normalerweise kein Drama. Doch erstens, war Casablanca nicht die Endstation, zweitens war in dem fehlenden Koffer die Kamera von Sonnenklar drin, für Liveübertragungen. Gut, angeblich sollten die fehlenden Koffer am nächsten Tag kommen und dann nach Agadir weiter geflogen werden. Die fünf Stunden Aufenthalt waren gerade genug, um das zu klären.

In Agadir angekommen, erwartet Andreas das, was er nicht vermisst: Regen. Anscheinend ist der Klimawandel überall angekommen, vom kalten Ägypten ins verregnete Agadir. Macht nichts, die Kamera ist ja eh nicht da, so wird auch keine Schaltung in den nächsten drei Tagen sein. Spannend wartete er auf den nächsten Tag.

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Ja, der Koffer ist in Casablanca, aber er kommt frühestens einen Tag später nach Agadir, da kein Flug mehr geht. Einen Tag später eröffnet man ihm, dass Royal Air nicht gewillt ist, den Fehler von Egypt Air auszubaden und den fehlenden Koffer nicht transportiert. Es kann auch niemand anders den Koffer mitnehmen, da man sich als Inhaber des Koffers ausweisen muss oder eine beglaubigte Vollmacht vorweisen muss. Könnte ja jeder kommen. Jetzt muss Plan B her. Fatima, die gute Seele von Meetingpoint Agadir versucht Andreas zu helfen. Die schnellste Möglichkeit: Auto mieten und selber an den Flughafen fahren – 600 KM einfacher Weg! Sie spricht mit dem Fundbüro und klärt die Öffnungszeiten: von 9.00 Uhr morgens bis 23.00 Uhr abends. Das Auto wird gemietet für den nächsten Tag. Damit an einem Tag keine 1200 KM gefahren werden müssen, wird eine Nacht im Labranda Hotel in Marakesch eingeplant.

Andreas lernt am nächsten Tag, dass die zeitlichen Absprachen in Marocco denen von Ägypten sehr gleichen. Der Leihwagen kam gegen 11.00 Uhr. Dann fuhr er durch Wiesen und Wälder, überholte Wohnmobile und viele PKW mit französischen Nummernschilder. Die Straßen sind ausgebaut und ohne Schlaglöcher, ein richtig toller Fahrspaß, der die 600 KM schnell vergehen lassen. Ein Lob auf GPS, welches ohne Fehldiagnose den Weg bis zum Flughafen lotst, wo er um 18.00 Uhr am Fundbüro steht – vor verschlossener Tür. Niemand ist telefonisch erreichtbar. Da die Parkgebühren am Flughafen ähnlich wie die an deutschen Flughäfen sind, muss der Leihwagen erst einmal umgeparkt werden.

Jetzt tritt Plan C in Kraft: es wird nach einer Übernachtungsmöglichkeit in Casablanca gesucht. Nach einer Stunde warten im Auto, wo sich auch der Zorn schon etwas gelegt hat, nennt man Andreas die Adresse eines Hotels. Weitere 40 Minuten Fahrt.

Am nächsten Tag steht er, typisch für einen Deutschen, kurz vor 9.00 Uhr wieder vor dem Fundbüro, welches, typisch für südliche Länder, nicht geöffnet ist. Die Zeit schreitet voran und mit jeder Minute des Wartens geht der Blutdruck von Andreas ein wenig höher. Bevor es lebensbedrohlich wird, entschließt man nun doch, gegen halb elf das Büro zu öffnen. Ein Wort der Entschuldigung? Nein.

Jetzt läuft es jedoch wie am Schnürchen: Der Koffer ist da und wird ausgehändigt. Ab ins Auto und los nach Marrakesch, wo Andreas trotzdem noch eine Nacht angehängt.

Was wäre ein Besuch in Marrakesch ohne einen Besuch auf dem Souk? Da man ja einen Leihwagen hat, wird selbst hingefahren. Der Verkehr ist ungefähr wie in Berlin, Neapel oder Kairo in der Rushour. Er fährt drei Mal um den Markt, wegen Parkplatzsuche und dann – ? Einmal rechts abbiegen und Andreas steht mitten auf dem Souk – mit Auto! Zurück geht nicht, sondern langsam durch! Augen zu wäre jetzt dumm, denn so hat man wenigstens die Möglichkeit, ohne angesprochen zu werden, den Souk zu durchqueren. Das machen auch viele Andere, mit Tuctuc oder Roller, nur er mit Auto! Die Fahrt durch den Markt dauert 45 Minuten!! Entnervt tritt er die Strecke zum Hotel an. Kein weiteres Sightseeing!

Am nächsten Tag wird die „Heimfahrt“ nach Agadir angetreten, um endlich Interviews mit schönen Bildern nach München zu senden. Das Wetter spielt mit – das Internet nicht! Leider nur ein Standbild möglich, doch was soll’s? Andreas hat noch eine Woche Zeit, zum Üben!

life Agadir

Dritte Woche Fasten

Hunger: Nein

Appetit: Ja

Gewicht: Stagnierend

 

Gut, alle Erfahrungsberichte aus einschlägigen Foren berichten das gleiche Phänomen: du isst nichts, trotzdem bewegt sich der Zeiger der Waage um keinen Millimeter nach unten, und dass über mehrere Tage. Der einzige Grund, das Fasten jetzt nicht abzubrechen, resultiert aus dem nicht vorhandenen Hungergefühl. Im Gegenteil, wir saßen mit Freunden im Restaurant und sahen beim Essen zu.

Doch gestern war dann schon der Höhepunkt des „Willst du nicht doch mal probieren-Tages“!

Wir haben Freunde aus Deutschland begrüßt die Hunger hatten. Also wird ein Vesperteller angeboten mit guter Fenchelsalami aus Italien, Gryer Käse aus der Schweiz und knackigen Tomaten. Gerade die kleinen, feinen Scheiben der Salami schrien mich förmlich an: „Versuche mich, es wird dir nicht schaden!“

Der Käse rief: „Etwas Eiweiß tut deinem Körper gut!“

Und die Tomaten und Gurken sangen im Chor: „Vitamine, Vitamine!“

Nein, ich war eisern. Nach dem die Gäste gegangen waren, kam die nächste Herausforderung. Wir haben für einen Bootsausflug zu kochen, Frikadellen. Nach dem Vermengen des Hackfleisches habe ich noch nie so sauber die Hände abgewaschen. Doch ein kleiner Rand hat sich gebildet und ich konnte nicht widerstehen: ich habe ihn abgeleckt! Und tatsächlich, es stimmt! Die Geschmacksnerven sind sensibler! Ich schmeckte den Knoblauch, die Zwiebeln, Salz, Pfeffer und Petersilie einzeln heraus!

Als nächstes bereitete ich das Salatdressing vor. Zwiebeln eingelegt in gutem Basalmiko Essig mit Olivenöl – flüssig! Also gönnte ich mir einen Teelöffel! Ich hätte das ganze Glas leer trinken können!

Nach dieser Tortur habe ich mich abends mit Freunden zum Kartenspielen getroffen, Als guter Gastgeber stellt man natürlich Knabbereien auf den Tisch – Chips. Ich hörte richtig das knacken in meinen Ohren, hatte den salzigen Geschmack auf der Zunge und merkte, es war mein Nachbar zur Linken, der sich dem Genuß hingab. Da platzte ich heraus: „Darf ich deine Finger ablecken!“

Oh Gott, nennt man das Fastenkrise? Wenn ja, dann steck ich mittendrin.

Doch heute hat mich die Waage wenigstens etwas milde gestimmt: 400 Gramm weniger. Also, schauen wir mal, was Woche vier so mit sich bringt!

 

 

 

The same procedure than last year?

The same procedure than every year!

Facebook hat eine wunderbare Funktion: Teile Erinnerungen mit anderen! Folgende Erinnerung blinkte vom letzten Jahr auf:

7 Tage fasten
Wow, wir machen heute die erste Woche Fastenkur voll! drei Kilo Orangen, zwei Kilo Karotten, ein Kilo Äpfel, eine Melone wurden ausgepresst, zwei Kilo Tomaten, zwei Kilo Karotten, vier Kilo Kartoffeln, ein Blumenkohl, ein Weißkohl wurden ausgekocht und 5 Liter Zimt- Hibiskus und Pfefferminztee aufgegossen. Ich glaube, so viel Obst und Gemüse haben wir in den letzten Monaten nicht gekauft wie in dieser ersten Woche und wir fühlen uns wohl.
Wir wundern uns, dass die Küche trotz fehlendem Kocheinsatz verschmutzt wird, die Spülmaschine täglich läuft und wir trotzdem Zeit für unsere Suppen und Säfte brauchen. Die gute Idee von Andreas, eine Saftmaschine zu kaufen, habe ich sofort am 2. Tag umgesetzt mit Einkauf des dazugehörigen Obstes. Fasten und vollbepackt vom Einkaufen klingt ist paradox, ist jedoch unumgänglich, wenn man wirklich frische Säfte und Suppen zu sich nehmen will.
Wir entscheiden uns immer lieber zum Fasten als zu sonstigen Diäten, weil wir dadurch kein Hungergefühl haben und eine schnelle Gewichtsabnahme. Da ticken wir beide gleich: ungeduldig und verfressen. Doch durch den leeren Darm ist auch das Hungergefühl weg, Wir fühlen uns schon viel besser. Das Schuheanziehen geht schon ohne Luftanhalten bis man blau anläuft, die Hosen sitzen schon ein wenig besser. Nicht lockerer, sondern sie beginnen passend zu werden.
Um den Stoffwechsel anzukurbeln, werden wir heute mit Sport beginnen. Ich hoffe, zusammen können wir Günther, unseren Schweinehund, überzeugen. Günther hindert uns schon seit einer Woche daran. Morgens frage ich: „Gehen wir zum Gym?“ Immerhin sind wir seit 2,5 Jahren passives Mitglied. Schweinehund Günther von Andreas antwortet: „Mach mal langsam. Erst mal Kaffee trinken, Morgenshischa und dann schauen wir mal.“ Mein Schweinehund nickt und schon sitzen wir auf dem Balkon. Die Sonne kommt hervor und in der Wärme liegen beide Schweinehunde einvernehmlich und dösen vor sich hin, immer auf der Lauer, falls doch noch einer auf dumme Gedanken kommt.
Wenn wir uns dann abends zurecht machen, um in die Stadt zu fahren, kommt Andreas auf die glorreiche Idee, vorher zum Sport zu gehen. Mein Schweinehund antwortet: „Jetzt? Ich bin gerade frisch geschminkt und geduscht! Nein, das ist eine schlechte Idee.“ Die getuschten Wimpern von Günther klimpern. Heute werden wir nach Morgenkaffee und Shisha losziehen und uns unseren ersten Muskelkater holen und damit den Stoffwechsel ankurbeln – hoffentlich

Mythos Fasten

Wirkt eine Fastenkur gegen lästige Pfunde?

Das Fasten hat eine Jahrtausende alte Tradition. Schon immer haben Menschen aus religiösen oder spirituellen Gründen gefastet, also auf Genuss- oder Nahrungsmittel eine bestimmte Zeit lang verzichtet. In der westlichen Welt dient das Fasten inzwischen mehr dazu, das körperliche Wohlbefinden zu steigern oder auch schlicht ein paar Kilogramm abzunehmen. Doch der freiwillige Verzicht auf feste Nahrung und Genussmittel macht nur dann auf Dauer schlank, wenn man seine Fastenerlebnisse dazu nutzt, seine Essgewohnheiten umzustellen.

Quelle: http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/sendung/2012/mythos-fasten-100.html

Genau das habe ich ende der 90er zum ersten Mal in einer Gruppe begonnen. Die Gruppenleiterin war eine – Frisörin! Wir trafen uns täglich nach den offiziellen Öffnungszeiten, meditierten, erfuhren, was in unserem Körper passiert und bekamen den nötigen Motivationsstoß, die nächsten 24 Stunden durchzuhalten. Zumindest hat mich diese Erfahrung so beeinflusst, dass ich die Fastenzeit, seit ich in Ägypten lebe, auch wieder mache. Natürlich auch angespornt durch den muslimischen Ramadan, den man hier hautnah miterleben kann. Egal, wie man dem Glauben gegenübersteht; Fakt ist, dass jeder Muslim die Zeiten und die Durchführung des muslimischen Fastens kennt und gefühlt über 90% mitmachen. Natürlich spielt der Gruppendruck auch da eine große Rolle. Doch ich kann mich nicht erinnern, dass ich in Deutschland erlebt hätte, wie durch die Kirche die Fastenzeit vor Ostern und Weihnachten durchgesetzt wurde. Die Ägypter erklären mir, dass diese Fastenzeit, auch mit Verzicht auf Flüssigkeit, einerseits den Körper trainiert, in der Wüste mit wenig Wasser zurecht zu kommen, und man selbst ein großes Glücksgefühl bekommt, wenn man diese Fastenzeit konsequent durchhält.

Genau das ist auch der Grund, warum ich immer wieder Faste: Einerseits glaube ich daran, dass unser Körper leider immer noch in der Steinzeit stehengeblieben ist, weil er ja Fettdepots ansammelt und ich ihm die Möglichkeit geben möchte, diese auch einmal zu Nutzen; andererseits möchte ich sehen, in wie weit ich den Willen aufbringe, auf Nahrungszufuhr zu verzichten. Da unsere Kalorienbilanz IMMER im Plus ist, versuchen wir diese übers Jahr damit auszugleichen. Zum Vergleich:

Ein Student, der das ganze Jahr wenig Einkommen hat, malocht in den Semesterferien, damit ist für die restlichen 10 Monate reicht.

Da es immer wieder spannend ist, führe ich Tagebuch!

Gute Vorsätze

Oh ja, wir haben wie jedes Jahr gute Vorsätze fürs Neue! Die Klassiker: gesünder Essen, mehr Bewegung. Lassen wir das Essen mal beiseite, denn Weißwürste, Speck und Spätzle sind dafür nicht representativ. Doch ich bin ganz stolz, dass ich tatsächlich bereits am 5. Tag des neuen Jahres mich das erste mal überdurchschnittlich viel bewegt habe. Wer uns kennt weiß, das unsere Durchschnittsbewegung sich auf Wege zwischen Balkon (zum Rauchen) Kühlschrank (Essen) und Wohnzimmer (fernsehen) beschränken und bereits das Treppensteigen einem Halbmarathon gleich kommt.

Letzte Woche habe ich eine Bekannte in El Gouna besucht und bei ihr Inliner entdeckt. „Wo fährst du?“, war meine spontane Frage, denn seit drei Jahren suche ich für meine eine Strecke. Der Gute Wille war da, denn ich dachte, Sahl hasheesh wäre dafür geeignet. Leider hat es mich auf einer Strecke von 2,5 KM zweimal niedergestreckt, so dass ich einen blauen Oberschenkel hatte und seit dem nicht mehr gefahren bin. Auch dort sind immer wieder die Straßen offen oder durch einen Bump für Inlinerfahrer mit meinen Kenntnissen unüberwindbare Hindernisse.

„Hier ist ein Parcour, der dauert eine halbe Stunde!“ Sie deutet auf den Golfplatz, der mit einem kleinen Weg durchzogen ist. Das ist es. Und heute habe war es dann soweit!

Erst einmal die Ausrüstung zusammen suchen. Von den Inlinern wußte ich, dass sie in einem Koffer verstaut waren. Nach der Anfangseuphorie habe ich ja drei Paar gekauft und mit nach Ägypten genommen. Doch wo sind meine Knie- und Ellenbogenschoner? Nur die für Kinder sind in dem Koffer dabei. Ich räume den ganzen Schrank mit den Sportsachen aus: Tischtennisschläger, Beachtennisbälle, Flossen und Schnorchel und auch so ein Bauchmuskeltrainer auf Elektroschokbasis ist dabei. Aber keine Schutzausrüstung. So werde ich mich wohl in die Kinderausrüstung quälen müssen. Schnürt nur ein bisschen die Venen ab, aber was solls. Los geht es mit dem Auto, da es ja doch 15 KM zu fahren ist. Ein Fahrrad wäre für diese Sache passender, doch ich habe keines. Vielleicht doch eines kaufen?

Ich parke das Auto, ziehe die Knieschoner hoch und stecke die Klettverschlüsse oben rein, denn die sind zu kurz für mein Knie. Beim Ellenbogen- und Handschoner ist es das selbe. Jetzt laufe ich über die Sanddüne hinab zum asphaltierten Weg und setze mich zum Schuhwechseln in das Gras. Plums – und fast genauso schnell wäre ich, wenn ich könnte, wieder hochgesprungen! Das so weich aussehende Gras entpuppt sich als eingewachsenes Stroh was sich wie Nadeln durch meine dünne Hose bohrt und dort wie Tannennadeln pickst. Egal, jetzt sitze ich und zieh die Dinger an.

Wacklig stehe ich auf und bewege mich vorsichtig vorwärts. Mit 40 Jahren habe ich mit den Inlinern begonnen, als ich wiedermal 3 Monate meinen Führerschein abgeben musste. Ich war wirklich fitt und konnte auch über kleine Hindernisse springen. Im Bayrischen Wald war es dann unmöglich zu fahren, wegen den steilen Bergen und in Ägypten bin ich auch nur zwei Mal gefahren, vor drei Jahren. Es ist wie Fahrradfahren, man verlernt es nicht doch ich bin extrem unsicher und wackelig. Aber es geht vorwärts und freue mich. Ich bin wohl ziemlich verkrampft, denn bereits nach den ersten Metern beginnen meine Füße zu schmerzen. Es geht ganz leicht bergauf, doch wenn ich jetzt stehen bleibe, rolle ich rückwärts, und das kann ich nicht. Also weiter Ausfallschritt. Wo es bergauf geht, geht es natürlicherweise auch mal wieder runter. Normalerweise ist das zum entspannen, doch in diesem Falle macht mir das wirklich leitchte Gefälle schon Angst, das Gleichgewicht zu verlieren. Ich versuche zu bremsen, doch wo sind die Bremsen???? Ich wage es, ein Bein quer hinter zu stellen, um langsamer zu werden. Bei dem leichten Gefälle wird man nicht langsamer, sondern bleibt stehen. Diese Gelegenheit nutze ich, meine Bremsklötze an den Inlinern zu suchen. Vielleicht sind sich ausnahmsweise links? Nichts! Rechts? Ja – da ist einer! Wohl schon so abgefahren, dass ich wirklich stark in die Knie gehen muss um damit zu bremsen. Gut, ich starte wieder. Es geht wieder bergauf, was so ohne Schwung echt anstrengend ist. Das ganze erinnert mich jetzt an unsere Langlaufrunden. Da war ich auch ein hoffnungsloser Fall. Bergauf ging nicht, weil mir die Kondition fehlte, bergab ging nicht, weil ich nicht bremsen und lenken konnte. Geschafft, ich bin oben schon kommt eine neue Herausforderung: eine Kurve in der Abfahrt, die an einen U-Turn erinnert! Nein, mit dem Übersetzungsschritt traue ich mich noch nicht in die Kurve. Also langsamer werden und schön paralell die Beine um die Kurve zu bekommen. Geschafft.

Der Schlittschuhschritt geht jetzt schon fließend und die Schmerzen lassen nach. Ich fahre wohl entspannter. Weiter schaue ich jedoch auf die Strecke wie ein Luchs. Und was entdecken meine Adleraugen? Eine Art Gullideckel über die komplette Wegbreite. Also ein Ablaufgitter. Ich möchte nicht testen, ob meine Rollen breiter sind als die Gitterabstände. Also blitzschnell entscheiden: Anhalten und drübersteigen oder langsam im Fahren mit Schlittschuhschritt drübergleiten. Ich entscheide mich fürs fahrende überschreiten. Und – es klappt!

Lange kann ich mich nicht über meinen kleinen Teilerfolg freuen, als die nächste, schier unüberwindbare Hürde kommt: Abfahrt mit anschließendem Berg(chen) wo in der Talmulde Sand liegt, bis etwa ein drittel der Auffahrt. Ich bleibe stehen, um einen Plan zu machen. Da es sich anscheinend um getrockneten Sand handelt, der ziemlich fest erscheint, denke ich, das Beste ist, mit dem Schwung der Abfahrt einfach drüberzurollen und dann den Rest mit V Schritt nach oben zu kommen. Ich versuche es. Abfahrt Schwung holen und dann rollen lassen. Beim durchrollen merke ich, dass der Sand nicht fest ist, sondern lose auf dem Belag ist. Keine Chance, darauf anzufahren. Ich muss einfach hoffen, dass der Schwung mich über die Stelle hinaus bringt. Es klappt.

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Und siehe da, ich komme an die Stelle, wo meine Schuhe auf mich warten. In 14 Minuten bin ich die Runde gefahren, ich denke es sind zwischen 3 und 4 KM gewesen.

Fazit:

Dieser Parkur (es ist nur die Hälfte gewesen, um auf die andere Seite zu gelangen, muss man eine Sandstraße überqueren, das beim nächsten mal!)ist hervorragend für Inlinerfahren geeignet. Wer routiniert ist, schafft die Runde denke ich in 10 Minuten, da man eigentlich überhaupt nicht bremsen muss, außer man ist so ein Hosenschisser wie ich. Doch wenn ich noch ein paarmal fahre, klappt es wieder wie zu alten Zeiten! Übrigens: Auch für jogger ist der Weg toll. Ich habe keine Ahnung, ob der Golfplatz in Betrieb ist, doch wenn man in El Gouna Richtung Abu Tig Marina fährt und dann Richtung Tawilla, dann ist er nicht zu übersehen. Vielleicht finden sich ja noch ein paar Menschen, die mitmachen!! Würde mich freuen!

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Sicher fühlen und sicher sein?

Die sichersten Reiseländer 2017 überraschen doch und ich nehme diesen Anlass, um die „Sicherheit“ in Ägypten wieder neu zu betrachten. Tatsächlich wird für die Ermittlung der sichersten Reiseländer nicht nur das terroristische Risiko mit eingebunden, sondern auch Sicherheit im Straßenverkehr, allgemeine Kriminalität und die Gesundheitsvorsorge. Auch auf diese Punkte möchte ich hier eingehen.

Nach den jüngsten Schlagzeilen wurde Menschen am Flughafen gefragt: „Fliegen Sie trotzdem nach Ägypten?“ war die Antwort:

„Ja, wo ist es heute noch sicher?“

Eine allgemeine Antwort darauf,  wird sogar vom Auswärtigen Amt gegeben. Wir sind abgestumpft. Tägliche Schlagzeilen von Überfällen, Anschlägen oder Attentaten berühren uns nicht mehr so. Der Spiegel hat in seinem Beitrag über die, sichersten Reiseländer, einen interessanten Absatz geschrieben:

„Anschläge mit terroristischem Hintergrund – etwa in Nizza, Paris, Berlin und Brüssel – hätten in der jüngeren Vergangenheit in West- und Südeuropa zwar für eine veränderte Wahrnehmung von Sicherheit gesorgt, schreibt die Schweizer Stiftung (WEF). Doch die Auswirkung auf das Reiseverhalten internationaler Urlauber sei zuletzt nur von kurzer Dauer gewesen.“

Was empfinden wir als sicher?

Obwohl Deutschland bei Punkto sicheres Reiseland auf Platz 51 abgefallen ist, Frankreich auf Platz 67 und Italien auf Platz 70 ist, fühlen wir uns dort sicherer als in dem vermeintlich 2. sichersten Reiseland Dubai oder Ruanda von Platz 9!

Gewohnte Umgebung, Kultur, Sprache, Gepflogenheiten helfen uns, gut mit einer eventuellen neuen Situation klar zu kommen. Wenn ich zum Beispiel in dem Einkaufszentrum bin, welches ich gut kenne, und ein Feuer ausbricht, macht mir das weniger Angst als in einem fremden Gebäude.

Bei einem Urlaub in Ägypten oder einem anderen, für mich fremden Land, habe ich vermeintlich gar keinen Anker mehr, auf den ich zurückgreifen kann. Doch Information kann schon helfen, sich sicherer zu fühlen.

Grundsätzliches zu unserer gefühlten politischen Sicherheit:

Es gibt keine Reisewarnung für Ägypten, nur eine Teilreisewarnung für den nördlichen Sinai, besonders die Grenze zu Israel und dem Gazastreifen. Wer hat sich den schon einmal die geographische Karte unter diesem Aspekt angesehen?

Übrigens: auch für Israel gibt es keine Reisewarnung, außer für den Gazastreifen. Und jetzt bitte die Entfernung zum nördlichen Sinai im Verhältnis in Deutschland:

Zum nördlichsten Punk (Asha) bis Hurghada sind es 621 KM, zwischen Sharm el sheik (südlicher Sinai) bis zum Gazastreifen 500 KM. Diese Touristischen Orte sind etwa die Strecke München Berlin vom nördlichen Sinai entfernt.

Ich möchte weder etwas beschönigen, noch verharmlosen, nur relativieren. Es ist nämlich auch etwa die gleiche Entfernung wie zwischen Zypern und Aleppo, doch hat jemand Angst, nach Zypern zu fliegen?

Kriminalität – Ägyptisches Rechtssystem:

Vor 10 Jahren war die Kriminalität in Ägypten nicht erwähnenswert. Heute ist sie etwas gestiegen, jedoch im Vergleich zu Handtaschenraub in Italien, Organhandel in Europa oder sogar London, welches eine Kriminalität von über 30% hat, immer noch nicht nennenswert.

Ägypten ist kein rechtsfreier Raum, wie vielleicht manche meinen. Die meisten Gesetze wurden von Frankreich übernommen, wie zum Beispiel das Straßenverkehrsrecht, Wirtschaftsrecht oder auch Strafrecht. Ein Ägypter sagte einmal zu uns: Was bei dir in Deutschland verboten ist, ist zu 99% auch hier verboten. Also, gar nicht so anders. Wenn man ein Problem hat, geht man zur Touristenpolizei (Tel. 126 Landesweit) oder, bei wirklich ernsten Problemen, zur deutschen Botschaft nach Kairo. Doch die meisten anfallenden Problemchen können durch den Reiseleiter geklärt werden!

Tipp: Sollte man in eine Situation kommen, die einen Angst macht, laut schreien beginnen! Es wird sofort eine Ansammlung von Menschen kommen, die sich um den Touristen kümmern. Die Reputation ist auch den Ägyptern wichtig und sie wollen als guter Gastgeber gesehen werden. Bei einer Menschenansammlung kommt dann auch ganz schnell die Polizei.

Risiko im Verkehr

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Tatsächlich sehe ich dabei das höchste Risiko.  Die Problematik beginnt bei unzureichend technische einwandfreien Fahrzeugen über eine schlechte Ausbildung der Fahrer bis hin zum chaotischen Fahrverhalten mit riskanten Ablenkungen durch die Nutzung des Handys. Deshalb empfehle ich bei Fahrten mit dem Taxi auf den angebotenen LimousinenService des Hotels zurück zu greifen, auf Empfehlungen oder ABC Taxi. Alle weiteren Fortbewegungsmittel empfehle ich erst, wer hier sein gefühltes 2. Zuhause hat und die Ägypter und die Risiken gut einschätzen kann.

Gesundheit und Hygiene

Das Gesundheitssystem für die Ägypter ist nicht gut was jedoch nicht an der Qualität der ärztlichen Versorgung liegt, sondern daran, dass die guten Ärzte und Krankenhäuser privat bezahlt werden müssen.

Bei Egypt Air wird im Magazin sogar für Urlaub in Kliniken geworben, um sich durchchecken zu lassen, Augen- oder Zahnoperationen zu erledigen.

Da ärztliche Eingriffe für Europäer hier günstiger ist als zu Hause, wundert es mich, dass es noch keinen Gesundheitstourismus gibt. Es muss keiner Angst haben, wenn hier etwas passiert. Egal, ob eine Brücke aus dem Zahn bricht, sich die Augen lasern lassen will oder eine Dialyse im Urlaub braucht, tatsächlich können geplante Eingriffe hier günstig und mit hervorragenden Ärzten erledigt werden.

Ein Unfall ist so ziemlich der Super Gau im Urlaub, doch dieser ist in Ägypten nicht großartig anders zu händeln als in Österreich: Am besten man schließt in Deutschland eine Auslandskrankenversicherung mit Rücktransport ab. So kann man sich hier im nächsten Krankenhaus versorgen lassen:

El Sallam – Hurghada Mitte (Dialysestation)

Royal Hospital  – nächstes zum Flughafen

Nilhospital – nah zum Flughafen mit Ausstellung eines Rückflugscheines

El Gouna Hospital – El Gouna (Dialysestation)

Hypermed – Airportroad, bei Hals-, Nasen- und Ohrenprobleme, auch Tauchunfällen.  Frau Dr.  Hanaa spricht deutsch und es kann telefonisch Kontakt aufgenommen werden unter 01226391450

Hygiene

Viele meinen, es wird unhygienisch gearbeitet und nehmen als Indiz dafür, die Magenkrämpfe, die oft bei Urlaubsaufenthalten zu schaffen machen. Natürlich werden auch in den Hotels regelmäßige Untersuchungen und Hygienechecks gemacht, siehe dazu unseren Beispielfilm. Dazu folgende Hinweise: Unser Wasser kommt aus dem Nil über Pipelines. Teilweise wird es mit Chlor versetzt. Das Wasser aus dem Hahn kann zum Zähneputzen benutzt werden, sollte nicht getrunken werden. Dieses Wasser wird auch für das Waschen von Salaten genutzt, verursachte jedoch bei mir noch nie Magenprobleme. Diese resultieren meist vom Klimawechsel, zu kaltem Trinken (nicht die Eiswürfel sind schuld, sondern die Temperatur) und das Essen mit fremden Gewürzen. Übrigens: Wenn wir nach Deutschland fahren, bekommen wir auch Durchfall und Magenprobleme.

Tipp: bei kleineren Beschwerden in die El Ezaby Apotheke auf der Airportroad oder in der Senzomall aufsuchen. Sie ist staatlich und es ist immer ein Arzt vor Ort.

Ein Urlaub in einer Hotelanlage:

Der Tourismus hat sich darauf eingestellt, dass sich die Menschen einen Tapetenwechsel wünschen, aber doch viel von zu Hause wiederfinden wollen. Diesem paradoxen Wunsch wird gerade bei Pauschalurlauben Rechnung getragen.

Deutschsprachige Reiseführer, die einem vom Flughafen bis zum Hotel begleiten und wieder zurück.

Der deutschsprachigen Gästebetreuung und teilweise auch die Angestellte, die unserer Sprache mächtig sind, kann ich meine Wünsche sagen, ohne Sprachbarriere.

Die Essens- und die Getränkeauswahl ist international, so dass ich neue Gerichte versuchen kann, aber nicht muss.

Übrigens: Wenn man es allen recht machen will, so muss man den kleinsten gemeinsamen Nenner finden, und das ist wenig Würze.

 

Außerhalb der Hotelanlage

Niemand muss Angst haben, die Hotelanlage zu verlassen. Wagen Sie den Schritt in eine fremde Kultur. Das unangenehmste, was einem dabei passiert ist, von den Shop Besitzern angesprochen zu werden. Da die Geschäfte zurückgegangen sind, meinen die Kaufleute, mit aktiven Verkaufsgesprächen die Touristen in ihr Geschäft holen zu müssen. Sie verstehen nicht, dass es die Kunden eher abschreckt. Wer das nicht möchte, sollte in El Gouna flanieren, dort ist es den Händlern untersagt aktiv zu werben, oder auf dem ägyptischen Markt, da ist ein Tourist einfach ein Fremder, kein potentieller Kunde. Wer an touristischen Shops vorbei geht, sollte einfach nicht reagieren und sich das ansehen, was ihn interessiert. Übrigens: die Souvenirläden von Cleopatra sind ausgepreist. Da kann man weder handeln, dafür wird man auch nicht in ein Verkaufsgespräch gezwängt.

Ausflüge:

Sie können unbesorgt alle Ausflüge, die angeboten werden, buchen. Weder ist eine Fahrt nach Luxor noch nach Kairo gefährlich. Im Gegenteil, ich finde besonders die Fahrten immer wieder schön. Nach Luxor führt die Straße durch die Berge, welche eine einzigartige Kulisse bietet,  nach Kairo lange Zeit am Roten Meer entlang.

Die Checkpoints, die an den Ein- bzw. Ausfahrten von Hurghada eingerichtet sind, sollten Ihnen keine Angst machen. Es ist eine Kontrolle, wer in oder aus dem Ort will. Touristischen werden selten kontrolliert. Es ist wirklich überwiegend für die Ägypter zur Überprüfung, was sie in die Stadt führt. Auf der ägyptischen ID ist unter anderem der Arbeitgeber eingetragen, so dass die Polizei damit sehr wohl überprüfen kann, wenn jemand geschäftlich hier zu tun hat. Wer keinen vernünftigen Grund nennen kann, wird wieder zurückgeschickt.

 

Ein persönlicher Hinweis

Die Deutschen sind hier in Ägypten sehr angesehene Gäste. Sie lieben uns, weil wir respektvoll mit ihnen umgehen, weil wir gute Umgangsformen haben und nicht zuletzt, weil wir guten Fußball spielen und tolle Autos produzieren. Deshalb ist jeder um die deutschen Touristen besonders besorgt. Geben Sie die Anerkennung mit einem Lächeln und vielleicht einem Dollarschein zurück. (Münzen wechselt keine Bank, deshalb wird man oft darum gebeten!).

Das ist mein ganz persönliches Statement dazu für interessierte, die Ägypten noch nicht kennen. Ich würde mich freuen, unseren „Neuen“ damit geholfen zu haben, sich für Ägypten zu entscheiden!

Für weitere Fragen und Anregungen stehen wir euch natürlich zur Verfügung

Eurer Fairholiday Team

Abu Simbel

Astrid und Andreas

Bella Italia

Unsere erste Wahl des Urlaubsdomizils  ist Italien, da dies der erste Plan unserer Auswanderung war.

Lucca, eine alte Stadt in der Toscana, deren Stadtmauer komplett erhalten ist und in deren Ring sich die Altstadt befindet, ist ein guter Ausgangsort, um Sonne, Strand, Meer und Kultur zu verbinden. Neben Restaurants, Shops, Eisdielen und das typische italienische Flair kann man im Juli auch auf der open Air Bühne verschiedene Künstler am Sommerfestival hautnah erleben. Wir hatten das Glück, ein Doppelkonzert von Earth Wind and Fire und Linol Richie besuchen zu können. Liebhaber der klassischen Musik kommen auch auf ihre Kosten, da zu Ehren von Giacomo Puccini, der dort sein Geburtshaus hat, immer wieder Opern aufgeführt werden.

Woher wir das wissen? Weil Miriam Keller, meine Schulfreundin, uns diesen Tipp gab. Sie kennt sich hervorragend aus, denn seit 23 Jahren lebt sie hier mit ihrem italienischen Mann Marco, dessen Bar in Lucca seit 25 Jahren ein Geheimtipp ist und vermietet Zimmer im  Antika Casa Naldi Antica Casanaldi, in dem wir uns ausgesprochen „italienisch zu Hause“ fühlen.

 

Es ist, als wohne man in einem Landhaus: großräumige Zimmer mit liebevoller, antiker Einrichtung, was dem Namen des Hauses alle Ehre macht. In der Wohnküche wird am Morgen von der „Mama“ frischer gebrühter Cappuccino mit einem typischen italienischem Frühstück serviert. Wer will, kann dieses auch mit den ersten Sonnenstrahlen in dem kleinen Innenhof genießen. Das Haus befindet sich inmitten des Zentrums von Montecarlo, welches abends nicht mehr angefahren werden kann denn da gehört die Straße den Restaurants und Bars, die den Platz vor ihre kleinen Tische benötigen, an denen Wein und typische einheimische Köstlichkeiten anbieten.

Neben dem Essen gibt es noch ein Markenzeichen von Italien: Schuhe! Wie die Kirche gehört in jeden noch so kleinen Ort auch ein Shop, in dem man sein Schuhwerk erneuern kann. Dieser hier ist ein besonderes Erlebnis: Auf engstem Raum sind gefühlte 1000 Schuhkartons so drapiert, dass man keinen Inhalt sehen kann. Dafür kann man sich erst einmal durch viele ausgepackte Exemplare „wühlen“, um dann den passenden von einem Angestellten innerhalb kürzester Zeit zu erhalten. Es scheint doch ein System zu geben.

Von hier aus machen wir verschiedene Ausflüge: Pisa, Florenz und Venedig sind als Tagesausflug zu erreichen. Besonders der Juli und August ist mit Sonnengarantie und die Quecksilbersäule klettert täglich über die 30 Grad Grenze. Wer sich bei diesen südlichen Themperaturen abkühlen möchte, kann dies ein einem der öffentlichen Schwimmbäder in Lucca machen oder fährt ca. 40 Minuten bis ans Meer in Via Veggio. Wir entscheiden uns am Sonntag für das Freibad, da auch die Italiener das Meer lieben und das typische Bild, was wir von Rimini noch im Kopf haben, hier wieder aktuell ist. Doch sonntags gehen auch die Einheimischen auch ins Freibad, was zur Folge hat, dass der Eintritt statt 9€ auf 11€ an diesem Tag angehoben wird und wir gerade noch ein Stück des Rasens abbekommen, welches wir mit unseren Handtüchern direkt markieren. Ein wildes Getümmel von Italienern jeder Altersklasse verspricht großes Kino. Da ist die 14 jährige, die vor einem der vier Bademeister kokettiert. Der 60jährige, der den Jungen zeigt, wie man elegant vom 5 Meterturm springen kann was von Alt und Jung mit „Arschbomben“ beantwortet wird. Die Kasse hat Doppelfunktion: von draußen wird der Eintritt bezahlt und von innen der Verzehr. Zur Mittagszeit werden neben Getränken, Eis und frischem Obst auch kleine Snacks wie Pizza und Pommes angeboten. Der Poos ist nicht besonders groß, etwa 8 mal 15 Meter, trotzdem ausreichend für alle und eine Abkühlung, die wir genossen haben.

Am nächsten Tag gehen wir ans Meer. Die größten Unterschiede zu unserem Roten Meer sind die Farbe und die Wellen. Auch hier sind wirklich viele Menschen, doch der Strand ist so lang, dass man genügend Platz hat. Als ob ich ein vollkommen unerfahrener Beachgänger wäre, habe ich die falschen Schuhe an – geschlossene. Der Versuch, barfuß zu gehen, scheitert an der Gefahr, Brandblasen zu bekommen. Also gehe ich bis zum Meer mit Schuhen, dann kann man im abgekühlten Schlamm gut die Schuhe ausziehen.

Mein Problem war dann nur: Wie komme ich jetzt über den heißen Sand ohne die panierten Füße in die Schuhe zu stecken? Also stellte ich die Schuhe an die Grenze zwischen trockenen und nassen Sand. Ich stellte mich auf ein Bein und wartete die nächste kleine Welle ab, um das andere Bein im Wasser vom Sand zu befreien. Die erste kam und ich schüttelte wie ein Hund den Fuß im Wasser. Ich wartete auf die nächste, die leider etwas stärker war und meine Schuhe erfasste und ich mich entscheiden musste, mit schmutzigen Füßen die Schuhe anzuziehen oder die Schuhe ins Meer spülen zu lassen. Schnell schlüpfte ich schmutzig hinein und stapfte mit Lehmsohlen durch den tiefen Sand. Als ich hoch schaute, grinste mich ein Mann an. Bestimmt war meine Show besser als die von Mr. Bean. Also Tipp: die Wasserschlappen nicht vergessen!

Von Miriam kann man noch mehr Insidertipps erfahren: Wo gibt es kleine Osterias, die selbstgemachte Menüs mit Wein für 20,00 € servieren? Was ist der Unterschied, sich in einer Bar den Cafe am Tresen zu holen oder an eines der Tische servieren zu lassen? Der Unterschied ist etwa 2,00€ beim Espresso!

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Natürlich kann ein Italiener nicht verstehen, warum wir jeden Besuch in der Toscana auch mit einem Besuch bei http://www.lavialla.it/de/ La Vialla verbinden. Diese Fattoria hat sich auf den deutschen Markt spezialisiert und bietet alles, was italienisches Feeling mit nach Hause bringt: Wein, Nudeln, Soßen, Essig und Öl. Auch wenn es etwas teurer ist als beim Weinbauern in und um Lucca, sollte man sich dieses Erlebnis einmal gönnen. Immerhin kann man alles auch online bestellen und es wird kostenlos geliefert!

Fazit: Wer Italien liebt und eine gelungene Mischung aus Natur und Kultur erleben möchte, der sollte als Ausgangspunkt Antika Casa Naldi wählen!

Astrid und Andreas

Fairholiday

astrid und andreas

Ich lerne von meinen Schülern

Eine Freundin rief mich ganz überrascht an und meinte: „Ich habe von der Mutter einer Mitschülerin meines Kindes DEINE Telefonnummer bekommen mit der Bitte, dich zu fragen, ob du ihrer Tochter Nachhilfe in Deutsch geben kannst.“ Mein Erstaunen darüber war mindestens genauso groß, hatte ich noch  nie einen Gedanken daran verschwendet, Nachhilfe zu geben. Und die Frage, woher sie meine Telefonnummer hatte, ist bis heute ungeklärt.

Da ich in Deutschland viele Jahre Schulungen gegeben hatte, traute ich mir Nachhilfe in Deutsch zu. Außerdem hatte ich jetzt die Gelegenheit, Kinder in Ägypten zu unterstützen.  Ich überlegte vor dem ersten Termin, wie ich mich mit der Kleinen unterhalten sollte. Mit meinen drei Brocken arabisch? Oder in Englisch? Schon bei der Begrüßung hatte sich diese Frage erledigt, ich wurde von der 10 jährigen Schülerin in fließendem Deutsch begrüßt.

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Die Mutter sprach englisch mit mir und meine naive Vorstellung, dem Kind etwas Deutsch beizubringen,  zerplatzte wie eine Seifenblase. „What should i teach her? She speaks fluently german?“, sprach ich meine Gedanken laut aus. Schnell kristallisierte sich der Grund heraus: Salma geht auf die Deutsche Schule Hurghada und beide Elternteile sind Ägypter und sprechen kein Deutsch. So ist es schwierig, bei den Hausaufgaben zu helfen oder auch mit ihr zu üben. Salma war damals in der 3. Klasse und ich traute mir noch zu, in diesem Level Unterstützung zu geben.  Schnell klärte mich die Mama von Salma auf, dass noch eine Mutter jemanden sucht, ob ich auch für diese Kinder Zeit hätte. Na, ob ich mir jetzt für ein Kind Gedanken mache, oder für zwei ist egal.

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Ich ließ mir die Schulunterlagen geben, um mich zu orientieren. Zwar hatten wir uns vor vier Jahren schon mit der Deutschen Schule auseinander gesetzt, da wir unsere Tochter auch auf diese Schule getan hätten, wenn sie mit ausgewandert wäre, doch wann hatte ich das letzte Mal Schulbücher in der Hand? Stoff der dritten Klasse: Präsens, Präteritum, Perfekt, Nomen, Verben, Adjektive, Prädikat, Subjekt, Objekt…. . Der Vorteil ist,  ich kann mich einlesen und frische mein Wissen wieder auf.

Bei der zweiten Familie werde ich dann wieder überrascht: es geht nicht nur um ein Kind –  nein drei süße Knirpse im Alter zwischen 5 und 10 Jahren warten auf mich. Galil, der kleinste, geht noch nicht zur Schule, sondern in den Kindergarten. Er schafft es geschickt, nicht zu reden, sondern lieber Zeichensprache zu entwickeln. Die neue Herausforderung: Tatsächlich die Sprache unterstützend beizubringen.

Cilia war in der ersten Klasse, so dass das Schreiben noch ein Auftrag ist. Schnell stelle ich fest, dass heute die Schreibschrift anders geschrieben wird als zu meiner Zeit. Also immer erst ins Übungsbuch schauen, bevor etwas vorgeschrieben wird. Ich möchte nicht noch einmal von meiner Schülerin korrigiert werden, weil ich etwas lustig aussehendes schreibe.

Kareem, Gott sei dank in der selben Klasse wie Salma, so dass ich da den gleichen Stoff bearbeiten kann. Ich brauche einige Stunden, um einen roten Faden zu entwickeln. Als Unterstützung hole ich mir Übungensaufgaben vom Internet und kaufe Übungshefte in Österreich, das war ein Zufall beim Besuch unserer Freundin. Doch in Österreich lernt man ja auch Deutsch :-).

Auch hier holt mich schnell die deutsche Rechtschreibreform ein, besonders bei der Regelung ß/ss oder die Silbentrennung muss ich manchmal in den Duden schauen.  Es macht Spaß und ich merke, wie schwierig meine Muttersprache ist.

Die Mitte, aber:  Ich stehe in der Mitte.

Der Tisch, aber: Der Teller steht auf dem Tisch.

Bus mit einem s, Kuss mit doppel s,

wissen und ich weiß

Und dann noch die Vergangenheit!

Ich begann, du??? ihr ???

Ich wuchs, du ???, Ihr???

Manchmal hört es sich so seltsam an, dass wir alle lachen müssen, weil wir uns fast die Zunge brechen.

Dann weitete sich das Spektrum aus:  Ein Test in Mathe muss vorbereitet werden.  Oh mein Gott, jetzt komme ich gerade mit den Fachbegriffen in Deutsch klar, jetzt beginnt das gleiche in den Grundrechnungsarten!

Wenn der Dividend 8 ist und der Quotient 2, wie heißt der Divisor?

Wie heißt das Produkt von 8 und 3?

Was ist die Differenz von 20 und 7?

Wenn der eine Summand 7 ist und die Summe 10, wie hoch ist der andere Summand?

Puh, da kommt man wieder ganz schön ins Schwitzen. Doch Gott sei Dank ist im Lehrbuch wirklich alles gut beschrieben, so dass ich schnell einmal nach blättern kann.

Last but not least kommt dann noch Sachkunde dazu. Die Himmelsrichtungen kenne ich ja noch.  Doch jetzt braucht Andreas sich nicht mehr mit mir zu streiten, wo Süden ist. Ich kenne in fast allen Lebenslagen die Bestimmung der Himmelsrichtungen!

Die Vogelhäuschen werden meist nach Osten aufgehängt (nicht zur Wetterseite)

Das Moos an Bäumen wächst meist im Westen hoch (Wetterseite)

Gebetet wird übrigens auch im christlichen Glauben nach Osten, somit sind die Altare Richtung Osten gebaut. Mekka liegt auch im Osten und damit man in die richtige Richtung beten kann, findet man an Flughäfen und Hotels in arabischen Ländern Hinweise.

Die Satelitenschüsseln zeigen Richtung Süden.

Ja, da staunt man, welche interessanten Dinge doch gelehrt werden!

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Inzwischen habe ich 8 Kinder zwischen 6 und 12 Jahren, die von mir Hausaufgabenhilfe erhalten. Es macht Spaß und ich bin gespannt, bis zu welcher Klasse ich mithalten kann.

Warum gehen diese Kinder in die deutsche Schule, wenn keines der Eltern deutsch spricht? Die Eltern möchten eine gute Ausbildung für ihre Kinder und sind der Überzeugung, das die Europäischen Schulsysteme besser sind als die staatlichen von Ägypten, obwohl diese viel mehr kosten.  Da die Eltern sehr viel in ihre Kinder investieren, möchten sie auch möglichst gute Resultate.  Die Kinder gehen bis halb fünf in die Schule, kommen dann nach Hause und müssen nicht nur mit mir, sondern oft noch in weiteren Fächern abends und ein Teil am Wochenende lernen.  Dann und wann diskutiere ich dann mit den Eltern, das eine vier, also  ausreichend,  für ein Kind, was in einer fremden Sprache gelehrt wird, ein gutes Ergebnis ist.   Ich überlege mir, wie viele Kinder gehen in Deutschland auf eine internationale Schule? Überwiegend ist dies Akademiker- oder Diplomatenkindern vorenthalten. Hier bin ich in ganz normalen Familien, die ihren Kindern einen besseren Start ins Leben geben möchten. Und manchmal muss ich die Erwartungshaltung der Eltern etwas herunter schrauben.  Wenn sie sich gar nicht erweichen lassen, erzähle ich ganz ungeniert, dass ich auch nur Vierer hatte, und dann frage ich nach den Noten der Eltern. Spätestens jetzt dürfen die Kinder wieder etwas Kind sein und wir lassen in den Ferien wenigstens die eine oder andere Stunde ausfallen.

Übrigens: Ich überlege jetzt ernsthaft, selbst in der Schule die Bank zu drücken und mit den Kidds arabisch zu lernen!

 

 

 

 

 

Polizei – dein Freund und Helfer

Luxor war wie immer ein Erlebnis und, wie immer, ist die Zeit davon gerannt. Den Checkpoint hinter Luxor müssen wir um 18.00 passiert haben, deshalb verzichtet Andreas sogar auf seine Shisha SO spät sind wir.

Unser Guide fährt mit uns noch bis zum Stadtrand und soll uns noch eine Tankstelle zeigen, da wir bereits auf Reserve fahren und wir Angst haben, dass in Quena die Tankstellen schon geschlossen sind. Die kurze Nacht fordert ihren Tribut und mir fallen bei dem Rhythmus zwischen bremsen, Bumb überqueren und anfahren nach kurzer Zeit die Augen zu. Unsanft weckt mich Andreas mit der Aufforderung: „Rechne mal mit Mohamed ab!“ Aha, die Bezahlung darf ich übernehmen. Wie in Trance öffne ich die Türe und gehe an meine Handtasche im Kofferraum. Nein –  ich muss meinen Geldbeutel nicht suchen. Schnell hat Mohamed alles im Kopf zusammen addiert, präsentiert mir die Summe auf dem Handy, kassiert ab und ich kann es mir endlich auf dem Beifahrersitz bequem machen. Kaum habe ich meine Augen geschlossen, fällt Andreas ein, dass wir nicht getankt haben. Ich blinsle zur Tankuhr und erkenne, dass die Warnleuchte bereits leuchtet. „Toll, und jetzt?“

Zum Zurückfahren reicht die Zeit nicht mehr, denn wir müssen über den Checkpoint. „Es wird ja hoffentlich auf dem Weg nach Qena noch eine Tankstelle kommen?“

„Hoffentlich, bis Qena schaffen wir es nicht mehr!“

Huch, doch eine beruhigende Situation, dass wir nicht in den Bergen stehen bleiben, sondern höchstens auf der Straße zwischen Qena und Luxor, die reichlich befahren ist. Die Gedanken werden unterbrochen, da wir jetzt an der Kontrolle sind. Wie immer, werden wir gefragt, welche Staatsangehörigkeit wir haben und wohin wir wollen. Bevor wir weiter gewunken werden, fragt Andreas nach der nächsten Tankstelle. „Mafish benzyin!“

Der Beamte zeigt uns, immer gerade aus. Doch von hinten kommt ein weiterer angeschossen, winkt einem Jeep  und meint zu uns, wir sollen folgen und setzt sich selber in das Auto. Irritiert fahren wir dem Wagen nach.

„Was soll das jetzt?“ Andreas schaut mich fragend an.

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„Ich weiß nicht!“ Jetzt bin ich hellwach, denn einer der jungen Männer im Heck des Jeeps, die mit Gewehr und Helm Rücken an Rücken sitzen, schaut immer scheu in unser Auto und erwidert dann mein breites Grinsen. „Mein Gott ist der süß!“

„Na, das wird er von dir nicht denken!“

Der andere schaut stur geradeaus. Auf einmal macht der hübsche ein OK Zeichen mit dem Daumen und Zeigefinger. Ich antworte mit Daumen hoch. Andreas schaut mich entsetzt an: „Der meint nicht dich, sondern den Mann da draußen!“

Ich folge mit den Augen dem Finger von ihm und tatsächlich steht da ein älterer Mann mit Galabea und Maschinengewehr, der sich durch Zeichen mit MEINEM Bodygard unterhält! Ich muss lachen und der junge Polizist grinst jetzt auch, und zwar zu uns ins Auto.

„Ich weiß nicht, wie lange das Benzin noch reicht.“

Jetzt frage ich Tante Google. Bei der Kartenfunktion habe ich vorher irgendwie einen Knopf gedrückt, bei dem nach Sonderzielen gefragt wurde. Da, ich hab‘s und gebe Tankstelle ein. Obwohl ich nicht glauben kann, dass hier in der Wüste Tankstellen verzeichnet sind, warte ich gespannt auf das Ergebnis. „ Das glaub ich nicht! Hier sind Tankstellen! Die nächste in 20 Minuten!“

„So weit reicht es nicht!“

Fachmännisch schau ich auf die Tankuhr. „Die hat sich ja noch gar nicht bewegt!“

„Du schaust bestimmt auf die Temperatur daneben.“

Ich schau noch mal genau hin. Könnte sein: Blau zu rot und „C“ zu „H“; ich lehne meinen Kopf etwas mehr vor Andreas um die Anzeige daneben zu erkennen. „Ach, da ist doch noch eine Menge drin! Da kommst du locker noch 50 Kilometer!“

„Na du Spezialist musst es ja wissen!“

Mein Blick geht wieder zu den Jungs. Huch, beide bewegen sich. Wie auf Kommando nehmen sie ihre Helme ab und tauschen diese gegen eine Art Baseballkappen. Vorsichtig schielt der eine wieder zu uns, als ob er fragen möchte: „Sehe ich gut aus?“

Ich nicke anerkennend und mache Daumen hoch. Er grinst. Dann gebe ich mit ernster Miene ein Zeichen, es soll mit seinen Augen die Gegend überwachen, nicht zu uns schauen. Sofort schaut er geradeaus, bevor sein Blick wieder grinsend seitlich in unser Auto schweift. Jetzt holen die Beiden einen Glimmstängel aus der Tasche. Er bietet mir auch eine an, doch ich schüttle den Kopf. Sie rauchen beide und wirken entspannt im Gegensatz zu Andreas, der gefühlt das 10te mal sagt, dass das Benzin bald leer ist.

„Laut meinem Navi musst du auf die Parallelstraße hier links, um an eine Tankstelle zu finden.“

„Deiner Orientierung glaube ich keine Wort und ich werde einen Teufel tun, hier auszuscheren. Übrigens ist hinter uns auch ein Polizeiwagen. Wir werden also vorne und hinten eskortiert!“

„Na hoffentlich haben die uns verstanden!“

Der nächste Checkpoint kommt und unser Jeep vor uns fährt rechts ran. Wir machen das Fenster auf und fragen noch mal nach Benzin. Er deutet wieder, gerade aus zu fahren. Wir bedanken uns und wollen gerade starten, als wir sehen, dass der Jeep vor uns vor uns losfährt.

„War das jetzt fliegender Wechsel?“

„Sieht so aus!“, meint Andreas. „Und hinter uns der Wagen ist auch wieder da.“

So geht die Fahrt weiter und wie bei einem Staffellauf lösen sich die Jeeps, denen wir folgen, an den Checkpoints ab. Obwohl keiner meiner Weisung folgt, einmal links auf die Straße zu wechseln, taucht vor uns eine kleine Tankstelle auf. Oder es soll eine sein. Ein Eselkarren steht vor der Zapfsäule und der Besitzer sitzt auf einem Anhänger. Der Polizist steigt aus und fordert ihn auf, uns zu tanken. Da stellt sich heraus, das er nur Diesel hat.  Andreas zeigt schon fast hibbelig auf seine Tanknadel, als der Officer erklärt: „In ten KM is a big station!“

Zehn Kilometer, ja, das schaffen wir. „Aber wir müssen links abbiegen!“, beharre ich auf Tante Google’s Kartensysthem.

„Gar nicht’s mach ich!“ Oh, da ist jemand gereizt!

„Hier müssten wir abbiegen!“, versuche ich es ein letztes Mal, bevor ich mein Internet schone und das Programm beende. Doch zu meinem Erstaunen stehen wir bereits vor einer Tankstelle! Wir fahren an die Zapfsäule, der Jeep wartet, das Polizeiauto hinter uns fährt mit ran. Der Polizist steigt aus und verunsichert den Tankwart total. Wir wollen für 100 Gynih tanken. Normalerweise wird dann für 98 LE Benzin getankt, der Rest ist Trinkgeld. Unter den Augen des Gesetzes wurde bei exakt 100 LE aufgehört zu tanken und nur unter Protest nahm er das Trinkgeld an. Jetzt verabschiedeten wir uns von unserem Eskorte, denken wir. Doch w“ieder wartet der Polizeijeep auf uns.

Auf einmal blinkt er, um bei einem U-Turn zurück zu fahren.

„ Jetzt lässt er uns fahren!“

„ Oh, das glaub ich nicht!“ Ich deute auf das Fahrzeug, dass vor uns beschleunigt. „Hier steht schon der nächste, der auf uns wartet!“

„Du siehst, das Militär und die Polizei funktionieren. Mitten in der Wüste wird fliegender Wechsel gemacht, die müssen sich mit Funk vorab verständigt haben. Wie bringen wir denen jetzt bei, dass wir einen Shishastopp machen?“

„Na, indem du einfach abbiegst?“

Egal, was wir gemacht hatten, unser Polizeiwagen hat immer auf uns gewartet. Wir vermuten schon, wir werden bis Safaga begleitet. Doch kurz vor Ausbau der neuen Straße bog der Polizeijeep ab und es wartete niemand mehr auf uns. Eigentlich Schade, es war ein gutes Gefühl!