St. Katharinenkloster am Fuße des Mosesberges

Sinai, die Halbinsel zwischen dem Golf von Suez und dem Golf von Aqaba, erstreckt sich wie ein Dreieck zwischen Afrika und Asien. Die Spitze ragt in das Rote Meer und deshalb ist der Sinai besonders bei Tauchern beliebt.

Die südliche Hälfte ist die touristisch erschlossene. Am  bekanntesten ist bestimmt die Region Sharm el Sheikh, nicht nur durch den internationalen Flughafen. Hier befinden sich internationale Hotelketten wie Rixos, Mövenpick oder Hilton.
Fährt man dann am Golf von Aqaba entlang, nördlich, kommt man erst in die Region Dahab, welche wir als außerordentliches Urlaubsgebiet kennengelernt haben. Jetzt kann man sogar bis an die Ländergrenze nach Israel fahren, um am nördlichsten Punkt von Südsinai seinen Urlaub zu verbringen: Taba. Das Auswärtige Amt hat alle Reisewarnungen für diese Gegend aufgehoben.

Katharinenkloster

Das nutzen wir natürlich, um eines der kulturellen Highlights von Ägypten endlich zum ersten mal zu sehen: Das Katharinenkloster. Das Katharinenkloster vereint Christentum, Judentum und den Islam und gehört seit 2002 zum UNESCO Weltkulturerbe. Unerheblich, ob man an die Geschichte von Moses und dem brennenden Dornbusch glaubt, es es einfach faszinierend, dieses Gebäude mit dem im Hintergrund emporragenden Gebirge zu bestaunen.
Und genau das ist unser Ziel!

Der Mosesberg

Wir nutzen das Angebot über Meetingpoint, die Reiseagentur, die alle Gäste von Sonnenklar.TV, FTI oder Big Extra betreut. Atef und Ezzat, unsere Ansprechpartner, klären uns erst einmal über den Ablauf auf.
Man hat die Möglichkeit, zum Sonnenauf- oder -untergang den Berg zu besteigen. Je nachdem, ist der Aufstieg oder der Abstieg im Dunkeln. Wir entscheiden uns für die Sonnenaufgangstour.

Gegen 22.00 Uhr nachts werden wir aus Taba Heights abgeholt. Mit dem Bus geht es auf ausgesprochen gut ausgebauten und mit Reflektoren versehenen Straßen bis zum Katharinenkloster. Wir sind jetzt auf einer Höhe von 1585 Metern. Dort müssen wir durch eine Kontrolle, wo auch unsere Taschen durchsucht werden. Es ist kein Problem, eine Kamera mit Stativ mitzunehmen. Jetzt heißt es, die restlichen knapp 700 Höhenmeter bis zum Gipfel zu überwinden.
Tipp
Fliegende Händler bieten jetzt noch Ponchos für 10 Euro oder Handschuhe an. Wer also in seinem Gepäck nicht die richtige Kleidung eingepackt hat, kann sich hier noch etwas kaufen.

Man hat die Möglichkeit, die ersten vier Kilometer mit dem Kamel zu reiten. Es ist jedoch kein so beschwerlicher Aufgang, so dass auch einige von uns diesen zu Fuß gehen. Ich persönlich genieße es, dass mein Kamel den Weg ohne Taschenlampe findet, und würde mich deshalb  auch beim nächsten Besuch wieder für den Kamelritt entscheiden. Es ist unbeschreiblich, wie die Sterne in der Dunkelheit ein Stück näher rücken und ich das Gefühl habe, man hat noch ein paar mehr im Universum verteilt. Der Ritt ist bequem und dauert etwa eineinhalb Stunden.

Tipp:
Auf jeden Fall warme Kleidung anziehen, denn da man sich nicht bewegt, wird es auch schon beim Aufstieg mit Kamel kalt.

Zwischendurch gibt es immer wieder kleine Hütten, in denen sich vor allem die Fußgänger eine Pause gönnen. Doch spätestens, wenn wir an dem Punkt angelangt sind, an dem das Kamel nicht mehr weiter kommt, heißt es für alle, den restlichen Weg bis zum Gipfel zu Fuss zu erklimmen. Ezzat und Atef hatten uns im Vorfeld schon gesagt, dass es sich um etwa 700 Stufen handelt. Bei dem Gedanken alleine wurde mir schon etwas Angst. Meine einzige sportliche Betätigung ist morgens der Gang zur Kaffeemaschine. Und am Vortag waren wir im Farcha Cafe in Sharm El Sheikh, wo wir 50 Stufen besiegen mussten, und ich war ganz schön außer Atem. Doch ich will!
Einen Tipp meiner Bekannten kommt jetzt wieder ins Bewusstsein: „Gehe ganz langsam, damit dich die Kraft nicht verlässt!“ Und genau das mache ich. Im Kegel des Lichts von der Taschenlampe leuchte ich mir meinen Weg. Es hat nichts mit Stufen einer Treppe zu tun. Es sind Steinplatten, die stufenähnlich angeordnet sind. Durch die Konzentration, nicht abzurutschen und sich den Fuß zu verstauchen, fällt die Anstrengung gar nicht so auf. Nach etwa einer Stunde sind wir unserem Ziel schon sehr nah und gehen in die letzte Hütte, um die Zeit bis kurz vor dem Sonnenaufgang mit einem heißen Getränk zu überbrücken.
Tipp:
In der Hütte gibt es Decken, die man sich ausleihen kann. Man braucht für diesen Aufstieg auf jeden Fall gute Laufschuhe. Auch wenn man durch die Bewegung Wärme produziert, ist eine Kopfbedeckung und auch Handschuhe von Vorteil.

Mindestens eine halbe Stunde vor dem eigentlichen Sonnenaufgang beginnt die Morgendämmerung, die wir alle auf dem Gipfel erleben wollen. Deshalb herrscht auf einmal eine allgemeine Aufbruchstimmung. Mit etwa 150 weiteren Pilgern beklimmen wir das letzte Stück zum Gipfel und jeder nimmt einen für sich optimalen Platz ein, um den Sonnenaufgang zu erleben. Was ich etwas schade fand ist, dass die Menschen leider nicht besonders leise sind. Es wird gelacht, Anweisungen für Fotos gegeben oder sich mehr oder weniger laut unterhalten. Ich hätte mir eine Stille wie in einer Kirche gewünscht.

Es wird langsam hell. Und ein sagenhafter Blick über das ganze Bergemeer des Sinais entschädigt für alles. Die Berge werden in ein warmes rotbraun getaucht und der Ausblick verleiht Gänsehaut.
Nach etwa einer Stunde machen wir uns zum Abstieg bereit. Etwas befürchte ich: Jetzt, wo alles im Licht bestaunt werden kann hoffe ich, dass meine Höhenangst nicht zum Problem wird. Doch meine Gedanken sind unbegründet. Auch beim Abstieg muss man sich auf den Weg konzentrieren, so dass ich keine Möglichkeit habe, Angst aufkeimen zu lassen. An der Hütte gibt man seine ausgeliehene Decke zurück, wärmt sich noch einmal mit einem heißen Getränk, denn am Gipfel war es windig und etwa 5 Grad kalt. Dann geht es zurück.
Tipp:
Der Abstieg mit dem Kamel ist für Männer nicht geeignet und Frauen sollten irgend etwas haben, was sie zwischen Körper und Haltegriff als Polster nutzen können. Bergab drückt das Becken permanent gegen den harten Griff, so dass dies Schmerzen verursacht. Die meisten sind deshalb hinunter gelaufen, was kein Problem ist.
Fazit:
Der Aufstieg zum Gipfel des Mosesberges ist ein so ergreifendes Erlebnis, dass ich diesen bei der nächsten Möglichkeit wiederholen werde!