Gute Vorsätze

Oh ja, wir haben wie jedes Jahr gute Vorsätze fürs Neue! Die Klassiker: gesünder Essen, mehr Bewegung. Lassen wir das Essen mal beiseite, denn Weißwürste, Speck und Spätzle sind dafür nicht representativ. Doch ich bin ganz stolz, dass ich tatsächlich bereits am 5. Tag des neuen Jahres mich das erste mal überdurchschnittlich viel bewegt habe. Wer uns kennt weiß, das unsere Durchschnittsbewegung sich auf Wege zwischen Balkon (zum Rauchen) Kühlschrank (Essen) und Wohnzimmer (fernsehen) beschränken und bereits das Treppensteigen einem Halbmarathon gleich kommt.

Letzte Woche habe ich eine Bekannte in El Gouna besucht und bei ihr Inliner entdeckt. „Wo fährst du?“, war meine spontane Frage, denn seit drei Jahren suche ich für meine eine Strecke. Der Gute Wille war da, denn ich dachte, Sahl hasheesh wäre dafür geeignet. Leider hat es mich auf einer Strecke von 2,5 KM zweimal niedergestreckt, so dass ich einen blauen Oberschenkel hatte und seit dem nicht mehr gefahren bin. Auch dort sind immer wieder die Straßen offen oder durch einen Bump für Inlinerfahrer mit meinen Kenntnissen unüberwindbare Hindernisse.

„Hier ist ein Parcour, der dauert eine halbe Stunde!“ Sie deutet auf den Golfplatz, der mit einem kleinen Weg durchzogen ist. Das ist es. Und heute habe war es dann soweit!

Erst einmal die Ausrüstung zusammen suchen. Von den Inlinern wußte ich, dass sie in einem Koffer verstaut waren. Nach der Anfangseuphorie habe ich ja drei Paar gekauft und mit nach Ägypten genommen. Doch wo sind meine Knie- und Ellenbogenschoner? Nur die für Kinder sind in dem Koffer dabei. Ich räume den ganzen Schrank mit den Sportsachen aus: Tischtennisschläger, Beachtennisbälle, Flossen und Schnorchel und auch so ein Bauchmuskeltrainer auf Elektroschokbasis ist dabei. Aber keine Schutzausrüstung. So werde ich mich wohl in die Kinderausrüstung quälen müssen. Schnürt nur ein bisschen die Venen ab, aber was solls. Los geht es mit dem Auto, da es ja doch 15 KM zu fahren ist. Ein Fahrrad wäre für diese Sache passender, doch ich habe keines. Vielleicht doch eines kaufen?

Ich parke das Auto, ziehe die Knieschoner hoch und stecke die Klettverschlüsse oben rein, denn die sind zu kurz für mein Knie. Beim Ellenbogen- und Handschoner ist es das selbe. Jetzt laufe ich über die Sanddüne hinab zum asphaltierten Weg und setze mich zum Schuhwechseln in das Gras. Plums – und fast genauso schnell wäre ich, wenn ich könnte, wieder hochgesprungen! Das so weich aussehende Gras entpuppt sich als eingewachsenes Stroh was sich wie Nadeln durch meine dünne Hose bohrt und dort wie Tannennadeln pickst. Egal, jetzt sitze ich und zieh die Dinger an.

Wacklig stehe ich auf und bewege mich vorsichtig vorwärts. Mit 40 Jahren habe ich mit den Inlinern begonnen, als ich wiedermal 3 Monate meinen Führerschein abgeben musste. Ich war wirklich fitt und konnte auch über kleine Hindernisse springen. Im Bayrischen Wald war es dann unmöglich zu fahren, wegen den steilen Bergen und in Ägypten bin ich auch nur zwei Mal gefahren, vor drei Jahren. Es ist wie Fahrradfahren, man verlernt es nicht doch ich bin extrem unsicher und wackelig. Aber es geht vorwärts und freue mich. Ich bin wohl ziemlich verkrampft, denn bereits nach den ersten Metern beginnen meine Füße zu schmerzen. Es geht ganz leicht bergauf, doch wenn ich jetzt stehen bleibe, rolle ich rückwärts, und das kann ich nicht. Also weiter Ausfallschritt. Wo es bergauf geht, geht es natürlicherweise auch mal wieder runter. Normalerweise ist das zum entspannen, doch in diesem Falle macht mir das wirklich leitchte Gefälle schon Angst, das Gleichgewicht zu verlieren. Ich versuche zu bremsen, doch wo sind die Bremsen???? Ich wage es, ein Bein quer hinter zu stellen, um langsamer zu werden. Bei dem leichten Gefälle wird man nicht langsamer, sondern bleibt stehen. Diese Gelegenheit nutze ich, meine Bremsklötze an den Inlinern zu suchen. Vielleicht sind sich ausnahmsweise links? Nichts! Rechts? Ja – da ist einer! Wohl schon so abgefahren, dass ich wirklich stark in die Knie gehen muss um damit zu bremsen. Gut, ich starte wieder. Es geht wieder bergauf, was so ohne Schwung echt anstrengend ist. Das ganze erinnert mich jetzt an unsere Langlaufrunden. Da war ich auch ein hoffnungsloser Fall. Bergauf ging nicht, weil mir die Kondition fehlte, bergab ging nicht, weil ich nicht bremsen und lenken konnte. Geschafft, ich bin oben schon kommt eine neue Herausforderung: eine Kurve in der Abfahrt, die an einen U-Turn erinnert! Nein, mit dem Übersetzungsschritt traue ich mich noch nicht in die Kurve. Also langsamer werden und schön paralell die Beine um die Kurve zu bekommen. Geschafft.

Der Schlittschuhschritt geht jetzt schon fließend und die Schmerzen lassen nach. Ich fahre wohl entspannter. Weiter schaue ich jedoch auf die Strecke wie ein Luchs. Und was entdecken meine Adleraugen? Eine Art Gullideckel über die komplette Wegbreite. Also ein Ablaufgitter. Ich möchte nicht testen, ob meine Rollen breiter sind als die Gitterabstände. Also blitzschnell entscheiden: Anhalten und drübersteigen oder langsam im Fahren mit Schlittschuhschritt drübergleiten. Ich entscheide mich fürs fahrende überschreiten. Und – es klappt!

Lange kann ich mich nicht über meinen kleinen Teilerfolg freuen, als die nächste, schier unüberwindbare Hürde kommt: Abfahrt mit anschließendem Berg(chen) wo in der Talmulde Sand liegt, bis etwa ein drittel der Auffahrt. Ich bleibe stehen, um einen Plan zu machen. Da es sich anscheinend um getrockneten Sand handelt, der ziemlich fest erscheint, denke ich, das Beste ist, mit dem Schwung der Abfahrt einfach drüberzurollen und dann den Rest mit V Schritt nach oben zu kommen. Ich versuche es. Abfahrt Schwung holen und dann rollen lassen. Beim durchrollen merke ich, dass der Sand nicht fest ist, sondern lose auf dem Belag ist. Keine Chance, darauf anzufahren. Ich muss einfach hoffen, dass der Schwung mich über die Stelle hinaus bringt. Es klappt.

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Und siehe da, ich komme an die Stelle, wo meine Schuhe auf mich warten. In 14 Minuten bin ich die Runde gefahren, ich denke es sind zwischen 3 und 4 KM gewesen.

Fazit:

Dieser Parkur (es ist nur die Hälfte gewesen, um auf die andere Seite zu gelangen, muss man eine Sandstraße überqueren, das beim nächsten mal!)ist hervorragend für Inlinerfahren geeignet. Wer routiniert ist, schafft die Runde denke ich in 10 Minuten, da man eigentlich überhaupt nicht bremsen muss, außer man ist so ein Hosenschisser wie ich. Doch wenn ich noch ein paarmal fahre, klappt es wieder wie zu alten Zeiten! Übrigens: Auch für jogger ist der Weg toll. Ich habe keine Ahnung, ob der Golfplatz in Betrieb ist, doch wenn man in El Gouna Richtung Abu Tig Marina fährt und dann Richtung Tawilla, dann ist er nicht zu übersehen. Vielleicht finden sich ja noch ein paar Menschen, die mitmachen!! Würde mich freuen!

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